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sollte, und die Industrie selbst hat sich ja schon so viel mit den
Möglichkeiten einer Gewinnbeteiligung beschäftigt, daß eigentlich
nicht gut ersichtlich ist, weshalb sie sich gegen ein System der
Gewinnbeteiligung sträuben sollte, das ganz allgemein für alle
Glieder der Wirtschaft erhöhte Werte schafft. Ich bin deshalb
dem Reichsverbande der Deutschen Industrie dankbar, daß
er meine Ende 1919 veröffentlichte Schrift als Material für eigene
Durcharbeitung der Gewinnbeteiligungspläne angenommen hat und
möchte nur die Erwartung aussprechen, daß meine Vorschläge
nicht nur als Gewinnbeteiligungssystem gewertet werden, sondern
als das, was sie sind, eine neue Wirtschaft mit ganz allgemein
individualistischem Charakter, dem sozialen Aufstieg der Arbeiter
schaft in gleicher Weise Rechnung tragend, wie der historischen
Entwicklung des Besitzes und der Bedeutung des Unternehmers
in der Wirtschaft.
Die kapitalfeindliche Tendenz des Sozialismus ist
andererseits auf Arbeitnehmerseite der Faktor, der sich gegen
die Einführung meines Wirtschaftssystems wenigstens vorläufig
noch sträubt, weil dadurch der Sozialismus seine Existenzberech
tigung verliert und die alten Theorien vom Kapital und seiner
mehr oder minder drohnenhaften Existenz überwunden werden.
Von dieser Seite wird geltend gemacht, daß das Kapital seinen
Gewinn nur als Risikoprämie geltend machen darf, und daß in
den für notwendigen Lebensbedarf arbeitenden Industrien heute
kein Risiko mehr besteht. Es wird aber nicht bestritten werden
können, daß irgendwo am Anfang doch ein Risiko bestanden hat,
und daß jede Einführung einer Neuerung, einer evtl. Verbesserung
jederzeit aufs neue ein Risiko schaffen kann. Gleichzeitig ist die
Differenzierung zwischen risikotragendem und risikofreiem Kapital
so schwierig, daß sie auf keinen Fall schematisch objektiv durch
geführt werden kann, und man wird sich wohl auf sozialistischer
Seite auch darüber nicht täuschen, daß die Negierung eines
Risikos einen allgemeinen und in seinen Auswirkungen un
ermeßlichen Kampf des Gesamtkapitals gegen die Arbeiterschaft
heraufbeschwört. Wenn ich vom Ende des Sozialismus spreche,
so meine ich damit das Ende der sozialistischen Idee, nicht aber
ein Zerschlagen der Arbeiterparteien, die sich gerade dann auf
breiter Grundlage zusammenfinden können zur Verfechtung der
gemeinsamen Interessen des arbeitenden Menschen. Es wäre auch
m. E. für die deutsche Wirtschaft ein furchtbares Unglück, wenn
die gewerkschaftlichen Organisationen geschwächt oder zer