Contents: Wie Deutschland seine Schulden bezahlen kann!

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lichkeit. Die Sache liegt heute so, daß mau eigentlich kaum jemand 
in Steuersachen über den Weg trauen kann. Wenn auch nicht jeder 
unehrlich ist, so kann man doch sagen, daß säst jeder den Wunsch 
hat, die Steuerbehörde zu hintergehen. Dieser unmoralische Zustand 
sollte unbedingt beseitigt werden. Es wäre wünschenswert, daß hin 
sichtlich der Steuerangaben jeder Mensch sich der größten Wahr 
haftigkeit und Gewissenhaftigkeit befleißigte. Das ist moralisch richtig 
und zu wünschen, praktisch aber wohl kaum zu erreichen. Immerhin 
darf wohl so viel als sicher angenommen werden, daß bei erträglichen 
Steuersätzen die Angaben wahrer und gewissenhafter fein werden, 
als bei derart hohen Steuerfätzen, wie wir sie gegenwärtig haben; 
diese reizen allerdings, fo traurig es klingen mag, zu falschen, d. h. 
niedrigeren, Angaben des Einkommens. Die Steuergesetzgebung muß 
daher schon aus diesem Grunde das Bestreben haben, die Steuer 
sätze möglichst erträglich zu gestalten; sonst erreicht sie, wie die Gegen 
wart zeigt, das Gegenteil von dem, was sie will. 
Im übrigen wird die Frage der Selbsteinschätzung uns noch 
im Hauptkapitel dieser Schrift beschäftigen, so daß wir uns an dieser 
Stelle auf eine kurze Andeutung beschränken können. Es sei nur 
noch daran erinnert, daß auch bei Einführung der Miquelschen 
Steuerreform ein ganzes Meer von Zweifeln und Bedenken auf 
gestiegen ist, und daß man damals ein solches System für gänzlich 
undurchführbar erklärte. Die Folgezeit hat bald bewiesen, daß die 
Annahmen jenes mit wahrhaft staatsmännischem Blick begabten 
Reformators nicht falsch gewesen sind. Gerade die Steuerpolitik hat 
neben ihren materiellen Aufgaben auch die Pflicht, in ideeller Beziehung 
als Volkserzieherin zu wirken; sie darf natürlich nicht Unmögliches 
oder zu Schweres verlangen, sie muß eine der ersten Bedingungen 
jeder Pädagogik erfüllen, d. h. von ihrem Zögling, in diesem Fall 
der ganzen Bevölkerung, nur das fordern, was dieser ohne allzu 
große Mühe, ja, vielleicht sogar mit einer gewissen Luft und Befrie 
digung zu leisten vermag. Wird aber diese Voraussetzung erfüllt, 
so kann es nicht ausbleiben, daß das der Bevölkerung entgegen 
gebrachte Vertrauen wiederum Vertrauen erzeugt. Dieses psycho 
logische Moment darf aber nicht unterschätzt werden, und wenn in 
meinem Plan die freiwillige Selbsteinschätzung eine bedeutende Rolle 
spielt, so halte ich gerade diesen Umstand für einen besonderen Vor 
zug der ganzen Methode.
	        
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