Full text : Vieh und Fleisch in der deutschen Kriegswirtschaft

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Bci  der  am  1.  März  1917  vorgenommenen  Zählung  wurde
insgesamt  ein  Bestand  von  10  714000  Kühen  und  Kalbinnen  im
Alter  von  mehr  als  2  Jahreil  festgestellt,  worunter  sich  angeblich
1230  000  Tiere  befanden,  die  weder  in  Milch  noch  trächtig
waren.  Solche  nicht  in  unmittelbarer  Nutzung  stehenden  Tiere
können  ohne  Schädigung  der  Betriebe  zur  Schlachtung  herangezogen ­
  werden.  Nun  kann  wohl  mit  Recht  der  Einwand  erhoben
werden,  daß  diese  Feststellung  deswegen  nicht  einwandfrei  ist,  weil
die  Angabe  der  milchenden  Tiere  für  den  Viehhalter  die  Verpflichtung
zur  Ablieferung  von  Milch  oder  Fett  mit  sich  bringt.  Deshalb  dürfte
die  Annahme  begründet  sein,  daß  manche  nur  mehr  wenig  Milch
gebende  Kuh  als  trocken  stehend  in  die  Zählungsliste  eingetragen
wurde.  Die  Besitzer  waren  sich  wohl  nicht  darüber  klar,  daß  die
Bezeichnung  der  Tiere  als  trocken  stehend  die  Gefahr  mit  sich  brachte,
daß  bci  der  Deckung  des  Schlachtviehbedarfs  diese  Tiere  in  erster
Linie  entnommen  werden.  Wenn  die  Zahl  der  1,2  Millionen  nicht
in  Milch  befindlicher  Kühe  bei  der  Zählung  vom  1.  März  1917
richtig  angegeben  gewesen  wäre,  mußten  immer  noch  600  000  Rinder
als  Restbetrag  aufgebracht  werden,  die  nur  dem  Bestände  des  Jungviehes ­
  von  1  bis  2  Jahren  entnommen  werden  konnten.  Dabei
konnten  natürlich  nur  die  über  18  Monate  alten  Tiere  in  Frage
kommen,  da  jüngere  Tiere  —  abgesehen  von  Jungbullcn,  die  bei
guter  Fütterung  schon  im  Alter  von  °/ 4  Jahren  schlachtreif  sein
können  —  ein  zu  geringes  Lebendgewicht  und  eine  zu  geringe
Schlachtausbeute  liefern.  Auf  diese  Weise  hätte  es  nach  rein
theoretischer  Berechnung  und  rein  zahlenmäßiger  Würdigung  des
Zählungsergebnisses  vom  1.  März  1917  möglich  sein  sollen,  die  für
die  verstärkte  Umlage  notwendige  Zahl  der  Schlachtrinder  aufzubringen, ­
  ohne  daß  die  milchenden  Kühe,  die  Bullen  und  Zugochsen
herangezogen  werden  mußten.  Tatsächlich  lagen  aber  die  Verhältnisse ­
  anders,  und  eine  genauere  Prüfung  der  Zählungsergebuisse
vom  1.  März  1917  ließ,  zusammen  mit  der  Erfahrung,  daß  schon
bei  der  früheren  Umlage,  bei  der  etwas  über  4%  der  Tiere  über
3  Monate  dem  Rinderbestande  entnommen  wurden,  eine  kleine  Zahl
Milchkühe  zur  Schlachtung  gelangte,  keinen  Zweifel,  daß  zur  Erfüllung ­
  der  verstärkten  Umlage  ein  weiterer  Eingriff  in  die
M  i  l  ch  k  u  h  b  e  st  ä  n  d  e  unvermeidlich  war.  Die  verstärkte  Umlage
für  die  Periode  April  bis  Juli  beanspruchte  9,38  %  der  Rinder  über
3  Monate,  also  über  das  Doppelte  der  durchschnittlichen  Entnahme
in  den  Vorperioden,  bei  der  schon  die  Schlachtung  von  Milchkühen
nicht  vermieden  werden  konnte.
            
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