Der Goldbestand der Emissionsbanken kein Maß der Notenausgabe.
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zugleich der Anfang der Baisse und bedeutet für den gesamten Handel ein
fach Stillstand. Welcher Händler wird kaufmännisch Teer, Kalk, Petroleum
usw. erwerben, wenn die erwartete Baisse den Verkaufspreis unter den Ein
stand zu drücken droht,- welcher Unternehmer wird heute Eisen, Holz, Ma
schinen kaufen, wenn er hofft, daß er diese Dinge morgen billiger als heute,
übermorgen aber noch billiger erhält, wenn er fürchten muß, daß die Kon
kurrenten, die morgen kaissen, einen Vorsprung haben werden gegenüber
ihm, der heute kauft? Eine Sache kaufmännisch erwerben mit der Aus
sicht, sie ohne Gewinn, wahrscheinlich mit Verlust veräußern zu müssen (und
das ist der Sinn der Baisse), das tut doch niemand,- für solche Geschäfte
gibt man kein Geld her und noch weniger borgt man sich welches. 2n solchen
Zeiten läßt der Kaufmann das Geld unberührt, auch das der Emissionsbank.
Und tatsächlich sieht dann auch die Emissionsbank, bald nachdem die
Goldausfuhr eingesetzt hat oder der Schah auf die Dritteldeckung gefallen ist,
daß das Geld vom Markte zur Bank zurückströmt, als Depotgelder, als
Gelder, die der Kaufmann, der Unternehmer nicht verwenden kann.
Natürlich bringt die Emissionsbank die Erscheinung in Be
ziehung zu ihrem hohen Diskontosatz, was ihren Glauben an
die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit ihrer Diskontopolitkk
mächtig stärkt!!
Es wäre aber auch ohne die Diskontoerhöhung so gekommen, und dabei
hätte die Bank dem Handel einen besseren Dienst erwiesen. Nach Eintritt der
Goldausfuhr oder nach Erreichung der Dritteldeckung und der damit ein
sehenden Baisse handelt es sich bei den Gesuchen um Wechseldiskont gewiß
nicht mehr um neue Geschäfte, sondern nur um die Mittel zur Abwicklung
noch nicht zu Ende geführter Geschäfte, um notleidende Geschäfte. Und diese
Abwicklung dürste die Emissionsbank nicht durch Erhöhung des Zinsfußes
erschweren, sondern im Gegenteil durch mäßigen Zins erleichtern. Sie, die
Emissionsbank, hat mit ihren Noten die Hausse ermöglicht, sie hat den
Kaufmann zu neuen Unternehmen animiert, sie, die Emissionsbank hätte
darum auch für eine möglichst verluftfreie Abwicklungsmöglichkeit dieser
Geschäfte zu sorgen. Die Emissionsbank weiß auch, daß bei jeder Alarmierung
des Handels, wie es jedesmal der Fall ist, wenn die Hochkonjunktur um
schlägt, der Kredit eingeschränkt wird, und daß das Bargeld an die Stelle
der Wechsel, der Stundung tritt, und daß infolgedessen größere Bargeldmassen
nötig werden. Und es wäre doch eine schöne Ausgabe der Emissionsbank,
durch Banknoten die Geldsurrogate (Wechsel, Scheck, Stundung usw.) zu
ersetzen, denen der Alarm die Kurssähigkeit genommen.
Entschuldigt werden die Emissionsbanken für ihre brutale Zinserhöhung
im Moment der Krise durch den Umstand, daß sie als ihre erste und
wichtigste Pflicht die Aufrechterhaltung der Goldwährung, d. h. des Parium
laufes von Kupfer, Nickel, Silber, Papier und Gold betrachten, und daß
sic für die Zwecke der Aulandszahlungsbilanz in den umlaufenden Metall
geldmassen so gut wie keine Unterstützung finden. Das gesamte für den
Export nötige Gold wird regelmäßig von den prkvatbankiers nicht dem
Umlauf, sondern dem Goldschatz der Emissionsbanken entnommen.