Full text: Die Heimarbeit im Kriege

hin schon geringe Homogenität -der Schicht noch weiter herab und 
machen sie damit noch unfähiger, aus eigner Kraft eine Besserung 
dor Lage zu erringen. Sie erweisen sich dem Gedanken des beruf 
lichen Zusammenschlusses wenig geneigt, und wo sie den Organi 
sationen beitreten, bilden sie ein unsicheres Element, das mehr von 
egoistischen Beweggründen als von Gemeinsinn geleitet ist. Die 
Unerfahrenheit dieser neuen Heimarbeiterinnen und der Umstand, 
daß sie zum großen Teil die Heimarbeit nur als Zubuße zu einer 
Rente oder Kriegsunterstützung betrachten, verschärft naturgemäß 
noch die Gefahr, die sie für das Lohnniveau in der Heimarbeit be 
deuten. 
Von jeher steht das Arbeitsangebot in der Heimarbeit in 
starker Abhängigkeit von der allgemeinen Konjunktur. Ein guter 
Beschäftigungsgrad der Männer verringert die Neigung der 
Frauen zur nebenerwerblichen Heimarbeit, bei sinkender Arbeits 
gelegenheit steigt der Bedarf danach. Die schwere allgemeine De 
pression, die uns nach dem Kriege, auch wenn sie nicht sofort ein 
setzt, wohl kaum erspaA bleiben wird, muß sich in einer starken 
Vermehrung des Arbeitsangebots in der Heimarbeit auswirken, 
das noch erhöht wird durch das Heräbsinken breiter Schichten des 
Mittelstandes und das Einströmen zahlreicher aus Zuverdienst an 
gewiesener Kriegerwitwen. Wird diesem Mehrangebot eine ent 
sprechende Arbeitsgelegenheit gegenüberstehen? Es ist natürlich im 
Augenblick unmöglich, die kommende Konjunktur unserer wichtig 
sten Hausgewerbe, der Konfektion, Spielwaren-, Christbaumschmuck- 
und Textilindustrie, zu übersehen. Die Tatsache aber, daß sie zum 
großen Teil Ausfuhr- und Luxusgewerbe sind, macht die Aussichten 
zum mindesten sehr unsicher. Die großen Heevesanfträge, die jetzt 
noch den Markt halten, werden kurze Zeit nach dem Kriege auf ihr 
gewöhnliches Maß zusammenschmmpfen und damit ihren starken 
Einfluß auf die Gesamtmarktlage verlieren. 
Also eine widerstandsunfähige, buntzusammengewürfelte, ato- 
misierte Arbeiterschaft, ein übermäßiges Angebot von Arbeitskräften 
und eine kritische Lage des Gewerbes — das ist das Charakteristi 
kum der Dinge, wie sie sich schon jetzt entwickelt haben und vor 
aussichtlich noch weiter entwickeln werden. Es ist selbstverständ
	        
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