43
um dem guten Rothschild beizustehen, soviel ich vermag. Ich hoffe
man soll am Ende überzeugt werden, daß er ein braver Mann ist,
der Achtung verdient; — der Neid mag sprechen wider ihn, was
er wolle.“ 50 Diese Bethmännische Anleihe, im Betrage von 500000 fl,
verwirklichte sich nicht. Die Firma war außerstande, ihr Ver
sprechen zu erfüllen. „Wie sie im November schrieb, hatte sie
einige Monate zuvor noch nicht geahnt, welche Ereignisse gerade
diejenigen Teile Deutschlands zu zertrümmern drohten, deren Wohl
stand durch vieljährige Ruhe und weise Verwaltung unerschütterlich
begründet zu sein schien, und wohin bisher mancher ermüdete
Bewohner unserer durch so viele Lasten gedrückten Gegenden sein
Auge sehnsuchtsvoll als nach einem sicheren Zufluchtsorte zu wenden
gewohnt war! Sogar einen kleinen Vorschuß, den Gebrüder Beth-
mann im Februar 1806 dem dänischen Hofe gewährt hatten, mußten
sie zurück erbitten, um ihre eigenen Verbindlichkeiten erfüllen zu
können.“ 51 In dieser Zeit der größten Geldnot stand also Rothschild
bereits leistungsfähiger da als dasjenige Haus, das damals nicht
nur in Frankfurt a. M., sondern vielleicht in ganz Deutschland die
angesehenste Stellung einnahm.
Hessen-Darmstadt.
Von den drei hessischen Anleihen wurde die erste am 1. Juli 1804
im Betrage von 500 000 fl 24 ff, die zweite am 1. Oktober 1804 im
Betrage von 200 000 fl 24 ff und die dritte am 15. April 1805 im
Betrage von 600 000 fl 24 ff abgeschlossen, alle drei zu 4 1 /z°/o. Auch
von diesen Anleihen übernahm der Kurfürst von Hessen beinahe
die Hälfte. Nur über die erste Anleihe hat sich etwas ermitteln
lassen, zumal die hessisch-darmstädtischen Akten nicht mehr vor
handen sind, weder im Staatsarchiv,“ noch bei der Kabinettskassen
direktion, noch beim Finanzministerium. Im Mai 1804 wurde
Rothschild von dem hessischen Staatsminister von Barckhaus zu
Unterhandlungen aufgefordert. Man einigte sich auf folgende
Bedingungen: Rothschild erhielt in Wirklichkeit nicht 4 1 /z, sondern
5 °/o Zinsen. Er durfte für 120 000 fl Rheinpfälzer S^prozentige
Obligationen Litera D in Zahlung geben. Den Rest von 380 000 s!
hatte er in Abschlagzahlungen von zwei zu zwei Wochen mit je
25 000 fl abzutragen, so daß das ganze Kapital im November des
selben Jahres aufgefüllt war. Neben der Hauptobligation wurden
Partialobligationen zu 1000 fl ausgestellt, beide auf J'/s 0 /« Zinsen