Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Der  Unternehmer  und  Betriebsführer.

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Im  Augenblick  der  Niederschrift  (Ende  1935)  muß  der  Frage  der  Weiterentwicklung  der
Bezüge  Beachtung  geschenkt  werden.  Die  Arbeitsbesohaffungsmaßnahmen  des  Staates
haben  den  Wirtsohaftsbetrieben  reichliche  Aufträge  gebracht,  die  Beschäftigung  gesteigert,
den  Umsatz  gehoben  und  auch  wohl  das  Verhältnis  von  Kosten  und  Erlösen  verbessert.  Zahlreiche ­
  Unternehmungen  melden  auch  schon  wieder  ansteigende  Gewinne.  Soll  der  Gewinnanteil ­
  der  Vorstandsmitglieder  wieder  in  Kraft  treten  t  Grundsätzlich  ist  dies  zu  bejahen;  denn
es  liegen  —  trotz  der  staatlichen  Maßnahmen  —  in  vielen  Fällen  besondere  Anstrengungen  und
Leistungen  vor  (Rohstoffrage).  Solange  aber  die  Löhne  und  Gehälter  aus  allgemein  wirtschaftlichen ­
  Erwägungen  (Preise)  nicht  erhöht  und  die  Dividenden  für  die  Aktionäre  nicht
aufgebessert  werden,  sollten  auch  die  Tantiemen  sich  diesen  Rücksichten  auf  das  Gemeinwohl
anpassen.
Anhang:  Die  „Krise“  des  Unternehmers.  Über  die  Bedeutung  des  Unternehmers
für  die  Volkswirtschaft,  insbesondere  in  der  hinter  uns  liegenden  Zeit,  soll  hier  nicht  gesprochen
werden.  Hierüber  besteht  ein  umfangreiches  Schrifttum;  vgl.  insbesondere:  Wiedenfeld:
Das  Persönliche  im  modernen  Unternehmertum,  1910,  und  neuerdings  W.  Hofmann:  Stellung
und  Bedeutung  der  Ünternehmerpersönlichkeit.  Leipzig  1933.  Hingegen  sei  kurz  eine  Frage
gestreift,  die  im  Zusammenhang  mit  der  Krise,  die  1929—1932  die  deutsche  Wirtschaft  nachhaltig ­
  betroffen  hat,  vielfach  gestellt  worden  ist:  daß  diese  Krise  durch  den  Unternehmer
großenteils  verschuldet  oder  von  ihm  nicht  genügend  bekämpft  worden  sei.  Der  deutsche
Unternehmer  —  so  wird  behauptet  —  habe  sich  als  nicht  wendig  und  anpassungsfähig
genug  erwiesen,  um  den  Krisenfolgen  entgegenzutreten  oder  sie  abzuwenden;  er  habe  zudem
seine  eigenen  unternehmerischen  Ideale,  die  Selbständigkeit  und  Freizügigkeit  des  Handelns,
die  Bisikofreudigkeit  und  Einsatzbereitschaft  des  eigenen  Kapitals,  die  immer  als  für  den  Unternehmer ­
  besonders  kennzeichnend  gegolten  habe,  nicht  hochgehalten  und  sich  unter  die
schützenden  Fittiche  des  Staates  begeben.  Vielfach  auch  habe  er  den  freien  Wettbewerb,  der
allein  die  unternehmerische  Tat  ermögliche,  selbst  untergraben  und  somit  sich  selbst  gebunden
und  ausgeschaltet.
Eine  nüchterne  und  ruhige  Betrachtung  des  Krisenablaufs  und  eine  Untersuchung  über
ihre  tieferen  Ursachen  wird  zu  dem  Ergebnis  kommen  müssen,  daß  die  meisten  und  schwerwiegendsten ­
  Vorwürfe,  die  gegen  den  Unternehmer  in  diesem  Zusammenhang  erhoben  wurden,
nicht  stichhaltig  sind.  Man  wird  den  völlig  anderen  Aufbau  des  Wirtschaftsgefüges  im  ganzen
in  der  Nachkriegszeit  und  vor  allem  in  den  Vorbedingungen  seiner  einzelnen  Teile  dabei  beachten ­
  müssen.  Sicher  ist  die  Gefahr  des  verantwortungslosen  Wirtschaftens  bei  Aktiengesellschaften ­
  größer  als  bei  persönlichen  Unternehmungen,  da  die  Direktoren,  wenn  sie  für  fremde
Rechnung  wirtschaften  und  das  Risiko  eines  etwaigen  ungünstigen  Ausgangs  nicht  selbst
tragen,  zu  gewagten  und  gefährlichen  Geschäften  eher  geneigt  zu  sein  scheinen.  Offenbar  wird
die  Rechtfertigung  und  die  mögliche  Abberufung  als  Direktor  dabei  weniger  hoch  eingeschätzt
als  der  Verlust  eigenen  Vermögens,  der  dem  selbständigen  Unternehmer  droht.  Es  kommt
jedoch  hinzu,  daß  in  größeren  Gesellschaften,  vor  allem  in  vielgegliederten  und  -geschalteten
Konzernen,  die  Tatbestände  leichter  verschleiert,  Verluste  leichter  verdeckt  und  allgemein  die
Folgen  einzelner  Geschäftshandlungen  schwerer  erkannt  werden  können;  das  Zurechnungsproblem ­
  spielt  hier  herein,  da  es  in  weit  verzweigten  und  verwickelten  Betrieben  oft  unmöglich ­
  ist,  die  einzelne  Maßnahme  in  ihrer  Wirkung  —  nach  Nutzen  und  Schaden—genau
zu  verfolgen.  So  leicht  der  Vorwurf  mangelhafter  Leitung  also  erhoben  wird,  so  schwer
dürfte  ein  Beweis  sein,  daß  tatsächlich  Fehler  im  großen  Umfang  hätten  vermieden  werden
können.
Daß  in  Einzelfällen  schlechter  Wille  und  Unvermögen  schuldig  waren  und  Unternehmer
sich  vor  Gericht  zu  verantworten  hatten,  soll  nicht  übersehen  werden,  spielt  aber  im  Rahmen
des  Ganzen  doch  nur  eine  geringe  Rolle.  Auch  eine  fast  allgemein  festzustellende  zu  lockere
Anwendung  der  gesetzlichen  Bilanzierungsvorschriften  besagt  ja  im  Grunde  noch  nicht,  daß
den  Leitern  die  Lage  ihres  Unternehmens  nicht  immer  voll  bewußt  war;  es  gibt  genügend
Fälle,  wo  der  zu  günstige  Ausweis  von  Gewinnen  nützlich  und  der  zu  ungünstige  schädlich
war,  aber  sicher  ebenso  viele,  wo  es  umgekehrt  richtig  war.  Ob  ferner  die  Legung  stiller  Reserven ­
  im  Übermaß  auf  die  Dauer  schädlich  oder  nützlich  für  die  Gesellschaft  und  ihre  Inhaber
und  Gläubiger  ist,  kann  ebenfalls  nur  von  Fall  zu  Fall  und  nur  nach  sehr  eingehenden  Feststellungen ­
  entschieden  werden.
Auch  der  schwerste  Vorwurf,  die  fehlende  unternehmerische  Wendigkeit,  schrumpft  bei
genauer  Betrachtung  auf  ein  geringes  Maß  zusammen.  Sicher  ist  oft  der  Grundsatz  der  Vorsicht ­
  im  Eifer  der  geschäftlichen  Ausdehnung  zu  kurz  gekommen;  die  Neigung  vieler  Unternehmer, ­
  in  guten  Zeiten  den  Sprung  nach  vorn  zu  wagen  und  durch  Ausweitung  der  eigenen
Anlagen  oder  finanzielle  Beteiligung  eine  Stärkung  der  eigenen  Stellung  zu  erlangen,  ist  oft
gefährlich  übertrieben  worden.  Doch  sind  auch  hierbei  mildernde  Umstände  vorhanden:  der
Zwang  zur  Rationalisierung  als  Folge  der  hohen  Löhne  und  Steuern  und  der  daraus  entstehende
hohe  Anteil  fester  Kosten  und  der  Zwang  zu  großen  Umsätzen  u.  a.  Im  allgemeinen  hat  sich
jedoch  gezeigt,  daß  die  große  Mehrzahl  der  deutschen  Unternehmungen  im  Kern  gesund  ge ­
            
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