Full text : Volkswirtschaftspolitik

Arbeitsverträgc.

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Falles  dem  Arbeiterausschusse  —  vor  dem  Erlasse  der  Arbeitsordnung ­
  Gelegenheit  zur  Äußerung  über  den  Inhalt  gegeben
werden  muß.
,  Ein  anderer  Weg,  Arbeitsbedingungen  für  längere  Zeit
ohne  besondere  Vereinbarung  mit  den  einzelnen  Arbeitern
festzulegen,  ist  gegeben  durch  die  Gruppenarbeitsverträge ­
  (wegen  ihres  wichtigsten  Teiles,  des  Lohntarifs,  meist
„Arbeitstarifverträge"  genannt).  Früher  wurde  dieser
Weg  nur  vereinzelt  angewandt.  Neuerdings  hat  er  in
vielen  Ländern  eine  ungemein  rasche  Verbreitung  gefunden.
In  England  und  den  Vereinigten  Staaten  haben  die  Arbeitstarifverträge ­
  auch  die  Großgewerbe,  wie  Kohlenbergbau,
Baumwoll-uud  Eisengroßgewerbe  erfaßt.  In  Deutschland  sind
Arbeitstarifverträge  im  Großgewerbe  noch  selten  und  fehlen
im  Bergbau  und  im  chemischen  Großgewerbe  überhaupt.
Dagegen  sind  sie  im  Baugewerbe,  irn  Holz-  und  Schnitzstoffgewerbe, ­
  im  Druckgewerbe,  im  Bekleidungsgewerbe,  in  geringerem ­
  Umfang  auch  in  vielen  anderen  Gewerben  mehr
handwerksmäßiger  Art  in  den  letzten  Jahren  sehr  verbreitet
worden.  Nach  den  nicht  ganz  vollständigen  Feststellungen
des  Kaiserlichen  Statistischen  Amtes  waren  in  Deutschland
Ende  1908  5671  Arbeitstarifverträge  für  120  401  Betriebe  mit
1  026  435  Arbeitern  vorhanden.  Die  Verträge  beziehen  sich
entweder  auf  einzelne  Betriebe  oder  auf  einen  bestimmten
Betriebszweig  eines  Ortes  und  seiner  näheren  Umgebung,
oder  auf  das  beteiligte  Gewerbe  im  ganzeir  Reiche,  wie  der
Arbeitstarifvertrag  im  Buchdruckgewerbe  und  in  einigen
anderen  Zweigen  des  Vervielfältigungsgewerbes.
Beim  Abschlüsse  des  Arbeitstarifvertrags  treten  die  Arbeiter ­
  stets,  die  Arbeitgeber  aber  nicht  durchweg  als  geschlossene
Gesamtheiten  auf.  Der  Vertrag  setzt  die  Arbeitsbedingungen
für  längere  Zeit  fest,  und  diese  Stetigkeit  kann  für  beide  Teile
wertvoll  sein  und  Kämpfen  um  die  Arbeitsbedingungen
            
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