Full text : Die deutsche Ölmüllerei

116  III.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

der  Bedienungsmannschaft.  Selbst  kleine  Ölpressereien  sollten
die  Anlage-  resp.  Rekonstruktionskosten  nicht  scheuen,  denn  der
Unterschied  in  den  Kosten,  die  das  Pressen  von  100  kg  Saat  nach
dem  alten  und  neuen  Verfahren  ausmacht,  ist  so  gewaltig,  daß
wenige  Jahre  genügen,  damit  diese  Ersparnisse  die  Anlagekosten
tilgen.“
Zur  näheren  Illustrierung  dieser  Sätze  mögen  folgende  Angaben ­
  dienen:
Aus  der  Zeit  vor  1870  wird  uns  die  Größe  der  Ölkuchen,
welche  damals  meistens  Trapezform  hatten,  mit  36—55  cm  Länge,
20—21,5  cm  oberer  und  14—17  cm  unterer  Breite  angegeben,
und  das  Fassungsvermögen  der  Presse  schwankte  zwischen  3  und
10  derartigen  Kuchen 13 ).  Heute  haben  die  Kuchen  der  Etagenpressen ­
  meistens  rechteckige  Form  und  sind  bis  zu  85  cm  lang
und  bis  zu  36  cm  breit;  die  jedesmalige  Charge  der  sogen,  „angloamerikanischen
  Etagenpressen“  beträgt  meistens  17  Kuchen,  die
der  Pressen  mit  Hubvorrichtung  bis  zu  24  Kuchen  und  die  der
Harmonikapressen  40  Kuchen  und  mehr.
ln  einer  Neußer  gut  eingerichteten  Dampfölmühle  verarbeitete ­
  vor  1870  jede  Nachpresse  in  24  Stunden  an  Rapssaat
ca.  1320—1500  kg 14 ).  Heute  verarbeitet  am  selben  Platze  in
einer  modern  eingerichteten  Ölfabrik  jede  Nachpresse  in  24  Stunden ­
  etwas  über  3000  kg  Rapssaat 15 ).
Noch  größer  ist  dieser  Unterschied  bei  der  Verarbeitung
von  Leinsaat,  wobei  allerdings  ins  Gewicht  fällt,  daß  man  früher
Leinsaat  zweimal  auspreßte,  während  man  sich  heute  an  einer
einmaligen  Pressung  von  allerdings  bedeutend  größerer  Dauer
genügen  läßt,  ln  der  Ölmühle  von  Struß  in  Linderte  kamen  um
1870  auf  jede  Presse  in  12  Stunden  an  verarbeiteter  Leinsaat
ca.  320—330  kg 16 ),  in  einer  vom  Verfasser  befragten  modern
eingerichteten  Ölfabrik  dagegen  ca.  1660—1670  kg 17 ).

13 )  Vgl.  Scholl,  1.  c.  und  Rühlmann,  1.  c.

14 )  Rühlmann,  1.  c.  Bd.  II,  1.  Aufl.,  S.  329.

16 )  Nach  persönlichen  Erkundigungen.  Ubbelohde  gibt  sogar  die
Leistung  einer  17kuchigen  Etagenpresse  bei  einem  Betriebsdruck  (Hochdruck) ­
  von  300  Atm.  und  35  Minuten  Druckdauer  auf  ca.  5000  kg  in  24  Stunden ­
  ah.

16 )  Vgl.  Rühlmann,  1.  c.  1.  Aufl.,  Bd.  II,  S.  331.

17 )  Die  „Harburger  Eisen-  und  Bronzewerke"  A.-G.  bauen  neuerdings
Etagenpressen  für  20  Kuchen,  deren  Leistung  in  12  Stunden  sogar  2500  bis
2750  kg  Leinsaat  betragen  soll.
            
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