Full text : Statistik und Verwaltung mit besonderer Berücksichtigung der preussischen Verwaltungsreform

Auszuführenden.  Sie  alle  stimmen  wohl  darin  überein,  daß  die
Statistik  koordiniert  der  Verwaltung  sein  müßte,  d.  h.  also,  daß
die  statistische  Zentralbehörde  nebengeordnet  den  Ministerien,  und
bei  Unterstellung  im  Höchstfälle  nur  nachgeordnet  dem  Staatsministerium ­
  oder  dem  Ministerpräsidenten  zu  sein  hätte 1 ).  Auch  ist  für
die  meisten  feststehend,  daß  den  statistischen  Behörden  die  Stellung ­
  und  Unabhängigkeit  richterlicher  Behörden  zukäme  und  daß
sie  viel  Analoges  mit  den  obersten  finanziellen  Kontrollbehörden,
den  Rechnungshöfen  aufwiesen 2 )  und  daß  ihnen  daher  deren  Stellung ­
  einzuräumen  wäre 3 ).  Unter  dem  Statistischen  Bureau  waren
Provinzialämter 4  * ),  Ämter  der  Regierungen  oder  besser  Dezernate
ressortierend  von  ihm  gedacht,  aber  auch  selbst  Kreisämter  waren
für  erstrebenswert  gehalten,  so  von  Ernst  Engel,  dem  langjährigen
Leiter  des  Königlich  Preußischen  Statistischen  Bureaus,  Boeckh,
Fallati,  Hasse,  Konek,  Meitzen,  Scheel  und  anderen 6 ).
Wenn  nun  auch  diese  Reformwünsche  nicht  schlechtweg  als
Utopie  zu  bezeichnen  sind,  wie  das  z.  B.  Block  getan  hat 6 ),  so
ist  andererseits  nicht  zu  verkennen,  daß  bei  der  Eigenart  und
dem  Stande  unseres  gegenwärtigen  Gesellschafts-  und  Staatslebens, ­
  das  noch  immer  seine  Wurzeln  im  Vergangenen,  Althergebrachten ­
  und  Traditionellen  hat,  ganz  abgesehen  von  der  internationalen ­
  Bedingtheit  dieses  Problems,  eine  Regelung  in  absehbarer ­
  Zeit  nur  in  der  Form  von  Teilkonzessionen  an  den  Grundgedanken ­
  möglich  sein  wird.
Die  durch  Erlaß  vom  7.  Juni  1909  vor  4  Jahren  inaugurierte

*)  Am  weitesten  in  bezug  hierauf  geht  wohl  Laspeyres,  der  die  Forderung
aufstellt,  daß  in  jedem  Lande  die  statistischen  Bureaus  statt  einer  irgend  einem  Ministerium ­
  untergeordneten,  eine  allen  Ministerien  übergeordnete  Stellung  haben  müßten.  »Die
Kathedersozialisten  und  die  statistischen  Kongresse.  Gedanken  zur  Begründung  einer
nationalökonomischen  Statistik  und  einer  statistischen  Nationalökonomie.  Berlin  1875.  S.  43.
2 )  Hasse,  a.  a.  O.  S.  14.
s )  Dagegen  wendet  sich  G.  v.  Mayr  in  seiner  Statistik  und  Gesellschaftslehre.
Bd.  I,  144.
4 )  Meitzen  a.  a.  O.,  S.  186.  Mischler,  S.  121.  Conrad,  Grundriß  zum  Studium
der  politischen  Ökomonie.  Vierter  Teil:  Statistik.  2.  Aufl.  Jena  1902,  S.  24.
6 )  Vgl.  Boeckh,  Über  Zentralisation  oder  Dezentralisation  der  Statistik  a.  a.  O.,
S.  213.  Fallati,  Gedanken  über  Mittel  und  Wege  zur  Hebung  der  praktischen  Statistik
a.  a.  O.  S.  496.  Hasse,  Die  Organisation  der  amtl.  Statistik,  S.  II.  Konek,  Über
die  Organisation  bezügl.  Reorganisation  der  amtlichen  Statistik,  S.  7-  Meitzen,  Geschichte, ­
  Theorie  und  Technik  der  Statistik,  S.  186.  Mischler,  Handbuch  der  Verwaltungsstatistik, ­
  S.  125  u.  127.
®)  Block,  Traite  theorique  et  practique  de  Statistique,  2me  6d.  Paris  1886,
2.  Aufl.,  p.  249/250.
Jaeckel,  Statistik  und  Verwaltung.

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