Object: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

dem Text unserer Quelle scheint dies allerdings nicht der Fall zu 
sein, da dort behauptet wird, dass die tatsächlich gezahlten Löhne 
im grossen und ganzen den nominalen Lohnsätzen entsprechen. 
Wahrscheinlich sind auch in diesen Stundenlöhnen zuweilen 
Akkordverdienste mit enthalten, so dass es falsch wäre, sie vor- 
behaltlos mit den deutschen Tariflöhnen zu vergleichen. Ausser- 
dem beschränkt sich die Tabelle auf die Darstellung der Löhne 
von 25 Industrien und Berufen; nicht enthalten sind z. B. der 
Bergbau, die Eisenbahner, die Ölraffinerien sowie die grossen 
Wäschereien und die schwer erfassbaren Gewerbe, in denen 
Heimarbeit und Zwergbetrieb die Lohnverhältnisse undurchsichtig 
machen. Ferner gründen sich die Angaben auf freiwillige Mel- 
dungen der einzelnen Unternehmen, von denen diejenigen, welche 
die schlechtesten Lohnverhältnisse haben, wahrscheinlich die 
Karten nicht auf den Tisch legen, also die Anfragen überhaupt 
nicht beantworten. Zieht man dies alles in Berücksichtigung, so 
sieht die Aufstellung der Tabelle vielleicht als Allgemeinbild etwas 
zu günstig aus, ohne jedoch eine völlig falsche Idee von den Ver- 
hältnissen zu geben, zumal die Berichte aus den verschiedensten 
Staaten stammen, obschon in sehr ungleicher Proportion. Für den 
industriellen Nordosten des Landes sind diese Angaben, auch 
wenn man sie als durchschnittliche nominale Lohnsätze nimmt, 
nach unseren eigenen Wahrnehmungen sicherlich nicht zu hoch 
gegriffen. Das beweist auch, dass die darin etwa enthaltenen 
Akkordverdienste das Ergebnis nicht entscheidend verändert haben. 
Für Deutschland ist eine verwertbare Statistik der tatsächlich, 
d.h. nach den Lohnlisten gezahlten Löhne überhaupt nicht vor- 
handen. Wir sind also bei dem Versuch einer Vergleichung auch 
hier auf die Tarifstatistiken der „Gewerkschafts-Zeitung‘ an- 
gewiesen. Zwischen den dort angegebenen nominalen Tariflöhnen 
und den tatsächlich gezahlten durchschnittlichen Stundenlöhnen 
mag eine gewisse Spanne liegen, wie sie durch Akkordverdienste, 
Überstundenzuschläge usw. entsteht. Setzt man diese Spanne ije- 
weils mit 12 Prozent des Nominallohnes ein, so ist sie — im Durch- 
schnitt einer ganzen Industrie — erfahrungsgemäss reichlich hoch 
angenommen. Dennoch wollen wir hier diese Annahme machen, 
um so wenigstens zu einem rohen Vergleichsmassstab für die hier 
und dort gezahlten Löhne zu gelangen. 
Der durchschnittlich gezahlte Stundenlohn für gelernte Arbeiter 
in der Metallverarbeitung ist mit 65,5 Cent oder 275 Pf. das Drei- 
undeinviertelfache eines der besseren deutschen Metallarbeiter- 
Tariflöhne oder das nahezu Fünffache der niedrigeren Löhne 
kleinerer Städte. Rechnet man, der obigen Erwägung gemäss, den 
deutschen Nominallöhnen je 12 Prozent hinzu, so bleibt der ameri- 
kanische Durchschnitt immer noch annähernd das Dreifache der 
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