Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Zehntes Buch. Drittes Kapitel. 
ihrer Heimat; mehr als einmal stand der Ordensstaat während 
dieser Zeit am Rande des Abgrunds. 
Endlich, um die Mitte der siebenziger Jahre, hatte der 
Orden gesiegt. Aus Strömen von Blut und Verzweiflung 
wandte er sich der Eroberung der preußischen Außenwerke, der 
Landschaften Nadrauen, Schalauen und Sudauen zu, die die 
Gegenden westlich des Memelflusses bis zu den Grenzen des 
eigentlichen Preußens im engeren Sinne erfüllen. Auch dieser letzte 
Schritt gelang ums Jahr 1283: da war niemand mehr, der 
nicht seinen Nacken dem Orden und der römischen Kirche 
demütig gebeugt hätte; alle Lande waren dem Ordensgebiet 
einverleibt, freilich auch vielfach ihrer alten Bevölkerung beraubt; 
noch ein Chronist der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
bezeichnet Sudauen als bis auf seine Zeit menschenleer und 
wüste. 
Nun man aber Herr im eigenen Hause war, galt es 
günstige Machtverhältnisse zur Nachbarschaft herzustellen. Bei 
den Polen mußte die alte Verwirrung der Parteien möglichst 
aufrecht erhalten werden; nach Litauen war das Licht des 
Evangeliums zu tragen und damit eine gewisse Abhängigkeit 
des Landes vom livisch-preußischen Ordensstaat zu begründen; 
nach Westen zu war Pomerellen, dessen ordensfeindliches Fürsten⸗ 
haus dem Aussterben entgegensah, zu gewinnen und dadurch 
der Anschluß an die Kolonialstaaten des deutschen Mutterlands. 
Es sind die Aufgaben, an deren Lösung sich der Orden im 
letzten Viertel des 13. Jahrhunderts versucht hat. Hatte er 
gegenüber Litauen weniger Glück, so war er um so erfolg— 
reicher in Polen und Pomerellen. Namentlich gelang es, 
während der langjährigen Wirren, die nach dem Tode des 
letzten ostpommerschen Fürsten Mestwin II. (1294) ausbrachen, 
Pomerellen gegen die Absichten der polnischen wie der branden—⸗ 
burgischen Herrscher im Jahre 1808 in thatsächlichen Besitz zu 
nehmen und gewaltsam zu halten, ja sogar den Markgrafen 
von Brandenburg zum Verzicht auf das Land zu bewegen. 
Mit der Erwerbung Pomerellens hat der deutsche Orden 
denjenigen Besitzstand erreicht, den es ihm während der Zeit seiner
	        
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