Object : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit,

Ökonomie  darauf  zurückzuführen.  Weshalb?  —  Weil  jeder  Austausch ­
  ein  Verhältais  zwischen  ausgetauschten  Mengen
voraussetzt,  das  sich  im  Preise  ausdrückt  und  durch  ihn  formuliert
wird,  womit  wir  sofort  mitten  in  der  Mathematik  stehen.
Mag  dies  sein!  Dann  hat  aber  diese  Methode  nur  ein  sehr  beschränktes ­
  Anwendungsfeld,  denn  sie  kann  den  Bereich  des  Austausches ­
  nicht  verlassen!  Das  ist  jedoch  ein  Irrtum.  Einer  der
geistreichsten  und  fruchtbarsten  Beiträge  der  neuen  Schule  liegt
gerade  in  der  Darlegung,  wie  dieser  Kreis  sich  erweitert,  bis  er  die
ganze  volkswirtschaftliche  Wissenschaft  umfaßt.
Verteilung,  Produktion  und  selbst  Verbrauch,  alles  gehört  in
diese  Lehre  vom  Tausche.  Zunächst  die  Verteilung  —,  denn  was
ist  der  Lohn,  der  Zins,  die  Rente,  mit  einem  Wort  die  Einkünfte?  —
Der  Preis  gewisser  Dienste,  der  von  den  Faktoren  der  Produktion, ­
  Arbeit,  Kapital  und  Boden  geleisteten  Dienste,  die  der  Unternehmer ­
  bezahlt.  Folglich  sind  sie  das  Ergebnis  eines  Austausches.
Was  heißt  produzieren?  —  Einen  Nutzen  gegen  einen  anderen
austauschen,  eine  gewisse  Menge  Rohstoffe  und  Arbeit  gegen
eine  gewisse  Menge  verbrauchbarer  Güter  austauschen.  Um  die
einen  zu  erlangen,  müssen  die  anderen  geopfert  werden.  Man  kann
die  Natur  mit  einem  Kaufmann  vergleichen,  der  uns  seine  Erzeugnisse ­
  im  Tausche  gegen  unsere  Arbeit  überläßt,  und  Xenophon  hatte
schon  diese  geistreiche  Theorie  vorausgeahnt,  als  er  schrieb:  „die
Götter  verkaufen  uns  alle  Güter  zum  Preise  unserer  Arbeit“.  Um
die  Analogie  besser  aufzuzeigen,  kann  man  sie  umkehren,  indem  man
sagt,  daß  jeder  Tausch  in  Wirklichkeit  ein  Akt  der  Produktion  ist,
denn  wie  Pantaleoni  sich  elegant  ausdrückt:  „Wir  können  den
Tauschpartner,  mit  dem  wir  verhandeln,  betrachten,  als  wäre  er  ein
zu  bearbeitendes  Feld  oder  ein  auszubeutendes  Bergwerk“ 1 ).
Was  bedeutet  kapitalisieren,  anlegen,  darleihen?  —  Einen  Austausch ­
  gegenwärtiger  Güter  und  heutiger  Annehmlichkeiten  gegen
Güter  und  Annehmlichkeiten  der  Zukunft.

in  mathematischer  Form  in  seinem  Buch;  Elements  d’Economie  Politique
pure  gegeben,  dessen  erster  Teil  1874  herauskam.
Heute  ist  die  mathematische  Methode  in  allen  Ländern  vertreten:  Maeshall
und  Edgewoeth  in  England,  Laukhardt,  Adspitz  und  Lieben  in  Deutschland,
Vilfredo  Pareto  und  Barone  in  Italien,  Irving  Fisher  in  den  Vereinigten  Staaten
und  Bortkiewicz  in  Rußland  (jetzt  Professor  in  Berlin,  Anm.  d.  Übers.).  Frankreich
jedoch,  die  Heimat  eines  Cournot  und  eines  Waleas,  besitzt  keinen  mathematischen
Volkswirtschaftler.  Wir  erwähnen  jedoch  das  Buch  Adpetit’s,  Theorie  de  la
Monnaie,  das,  wenn  es  auch  über  einen  besonderen  Gegenstand  handelt,  eine
allgemeine  Einführung  enthält,
‘)  Des  differences  d’opinion  entre  economistes,  Genf  1897,  in  dem
Band:  „Scritti  varii  di  Eeonomia“,  S.  1—48  (1904)  abgedruckt.
            
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