Full text : Fortschritt und Armut

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Arbeitslohn  und  Kapital.

Buch  I.

suche  nur  die  Gesetze  zu  entdecken,  auf  denen  ein  großes  soziales  Problem,
beruht,  und  wenn  der  Leser  dahin  gelangt  ist,  sich  eine  klare  Vorstellung
davon  zu  machen,  welche  Dinge  wir  meinen,  wenn  wir  von  Kapital
reden,  so  ist  mein  Zweck  erreicht.
Ehe  ich  jedoch  diese  Abschweifung  schließe,  möchte  ich  die  Ausmerksamkeit
  aus  etwas  lenken,  was  oft  übersehen  wird,  nämlich,  daß  die
Ausdrücke  „Güter",  „Kapital",  „Arbeitslohn"  und  dergleichen,  wie  sie
in  der  Nationalökonomie  gebraucht  werden,  abstrakte  Benennungen
sind,  und  daß  nichts  von  ihnen  generell  behauptet  oder  bestritten  werden
kann,  was  nicht  auch  von  der  ganzen  Klasse  von  Dingen,  welche  sie
repräsentieren,  behauptet  oder  bestritten  werden  könnte.  Daß  dies  nicht
immer  im  Auge  behalten  wurde,  hat  zu  vieler  Gedankenverwirrung
geführt  und  läßt  Zrrtümer,  die  sonst  durchschaut  worden  wären,  als
anerkannte  Wahrheiten  passieren.  Da  Gut  ein  abstrakter  Ausdruck  ist,
so  involviert  der  Begriff  der  Güter,  wie  man  sich  erinnern  muß,  den
Begriff  der  Austauschsähigkeit.  Der  Besitz  von  Gütern  eines  gewissen
Betrags  ist  gleichwertig  mit  dem  Besitz  einer  oder  aller  Gattungen
von  Gütern,  die  im  Austausch  dasselbe  wert  sind.  Und  dasselbe  ist  folglich ­
  auch  mit  dem  Kapital  der  Fall.

Kapitel  III.
Der  Lohn  wird  nicht  dem  Kapital  entnommen,  sondern  durch  die
Arbeit  geschaffen.
Die  Wichtigkeit  dieser  Abschweifung  wird,  denke  ich,  mehr  und
mehr  zutage  treten,  je  weiter  wir  in  unserer  Untersuchung  vorschreiten;
aber  ihre  Zusammengehörigkeit  mit  dem  Zweige,  der  uns  nun  beschäftigt, ­
  dürfte  schon  jetzt  in  die  Augen  fallen.
Es  ist  auf  den  ersten  Blick  ersichtlich,  daß,  wenn  behauptet  wird,
der  Lohn  würde  dem  Kapital  entnommen,  der  nationalökonomische
Sinn  des  Wortes  Lohn  aus  den  Augen  gesetzt  und  die  Aufmerksamkeit
auf  den  gewöhnlichen  und  beengten  Sinn  des  Wortes  gerichtet  wird.
Denn  in  all  den  Fällen,  in  welchen  der  Arbeiter  fein  eigener  Arbeitgeber ­
  ist  und  direkt  das  Produkt  seiner  Arbeit  als  Lohn  empfängt,  ist
es  klar  genug,  daß  der  Lohn  nicht  aus  dem  Kapital  entnommen  wird,
sondern  sich  direkt  als  Arbeitsertrag  ergibt,  widme  ich  z.  B.  meine
Arbeit  dem  Einsammeln  von  Vogeleiern  oder  dem  Pflücken  wilder
Beeren,  so  sind  die  Eier  und  Beeren  mein  Lohn.  Sicher  wird  niemand
behaupten,  daß  in  einem  solchen  Falle  der  Lohn  dem  Kapital  entnommen
würde.  Zn  diesem  Falle  ist  kein  Kapital  vorhanden.  Ein  völlig  nackter.
            
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