Full text : Wirtschaft als Leben

Haushalten  und  Unternehmen,  X.

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Beste  nur  sagen,  wenn  man  die  Struktur  durchspricht.  Denn  wie  das
Geschehen  selber  sich  zu  Gestalt  und  Gefüge  gliedert,  tut  es  auch  das
lebendige  Denken,  seinen  Inhalten  nach;  es  ist  ja  nur  in  theoretischer  Willkür ­
  aus  dem  Geschehen  lösbar.  Da  würde  sich  nun  eine  eigentümliche
Verteilung  der  Last  dieses  schöpferischen  Begriffes  erweisen;  nur  eben
keine  bruchweise,  sondern  auch  wieder  eine  „organisch“  waltende,  die  niemals ­
  dem  Vollwesen  Unrecht  tut,  bei  dem  alles  Einzelne  für  das  Ganze,
und  dieses  für  jedes  Einzelne  da  zu  sein  scheint.  Es  würde  sich  ergeben,
daß  hier  tatsächlich  eine  ganze  Reihe  von  immer  anders  vereinfachten
Notbegriffen  tätig  ist.  Als  schöpferischer  Begriff  wird  der  Inhalt
„Deutsches  Reich“  in  mannigfacher  zweckdienlicher  „Reduktion“  gedacht,
deren  Wechsel  noch  weit  über  jenen  hinausgeht,  an  den  man  sofort  denkt:
bei  den  Ausdrücken  „Staatshoheit“,  „Rechtshoheit“,  „Fiskus“.  Damit  ist
zugleich  eine  Erleichterung  jener  Last  gegeben.  Es  ist  auch  sonst  klar,
daß  unser  urwüchsiges  Denken  sich  nicht  aus  hormenfreude  in  jene  Rolle
hineinmüht,  in  der  ich  es  ständig  als  „unser  gestaltender  Geist“  vorführe.
Es  tut  einmal  keine  anderen  als  wegkürzende  Schritte,  und  müht  sich  bloß
seiner  Bequemlichkeit  zuliebe.  In  dieser  „formalistischen“  Hinsicht  natürlich,
denn  im  Gewände  des  Handelns  selber  geht  ihm  die  Arbeit  nie  aus.  Jedenfalls ­
  kennt  es  nur  Arbeit  und  Rüsten  dazu  —  das  bloße  Turnen  am
Geräte  des  Wortes  und  in  der  Rennbahn  der  Definitionen  und  Distinktionen,
das  überläßt  es  der  Wissenschaften  Diener  am  Worte.

Eines  ließe  sich  betonen.  Es  ist  tatsächlich  nicht  jedermanns  Sache,
mit  den  schöpferischen  Begriffen  dieser  Art  sich  abzuplacken.  Wozu  wären
wir  auch  „Statisten“!  Wir  Alle  mischen  zwar  die  Karten,  die  doch  nur
wenige  für  uns  ausspielen.  Und  so  wird  auch  ein  Inhalt,  wie  ihn  die
Wendung  „Deutsches  Reich“  zu  bergen  vermag,  überall  dort,  wo  er  nie  t
als  schöpferischer  Begriff  erfordert  wird,  leicht  als  „Unbegriff“,  oder  doch  in
rechter  Ungestalt  gedacht  werden.  Der  Dörfler  denkt  sich  etwa  ein  „besseres“
Dorf,  und  der  Städter,  wenn  er  auch  soviel  gescheiter  ist,  tut  es  ihm  hierin
kaum  wesentlich  zuvor.  Hier  läge  ja  ein  Gradmesser  der  „politischen  Reife  .
So  recht  muß  der  schöpferische  Begriff  nur  dort  gedacht  sein,  wo  sich
die  dichtesten  Knoten  schürzen.  Übrigens  erscheint  auch  dies  erleichtert, ­
  und  zwar  so,  daß  es  nur  ein  Verflechten  ganzer  und  dicker
Strähnen  des  Zusammenhanges  besagt.  Hier  greift  eben  der  „gestaltende
Geist“  hilfreich  ein.
Wenn  man  bedenkt,  wieviel  da  über  unsere  Kopfe  hinweg  geflochten
wird,  erscheint  der  vielverhöhnte  „beschränkte  Untertanenverstand“  nicht  so
ganz  unbegründet.  Wir  reden  zwar  viel  über  Dinge,  die  uns  nichts  angehen;
aber  je  wortseliger  das  Denken,  desto  mehr  sind  Reden  und  Denken  zweierlei.
Der  „Staat“  ist  eben  in  der  Tat  mehr  als  bloße  Vereinsmeierei;  aber  auch
v.  Gottl-Ottlilienfeld,  Wirtschaft  als  Leben.  14
            
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