Full text : Wirtschaft als Leben

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„Die  Grenzen  der  Geschichte“,

geschehen  sei.  Beim  Analogieschluß  jedoch  ist  diese  Annäherung  an
das  absolut  Gewisse  im  Prinzipe  ausgeschlossen.  Wenn  er  noch  so
gewissenhaft  vollzogen  wird,  noch  so  viele  Analogien  harmonisch
zusammenklingen,  zu  noch  so  auffälligen  Übereinstimmungen,  man
kommt  doch  nicht  weiter,  als  daß  man  mit  immer  besserem
Fug  und  Recht  behaupten  kann,  die  Dinge  liegen  so,
als  Ob  es  so  geschehen  sei.  Der  absoluten  Gewißheit,  daß  es  so
und  nicht  anders  geschehen  sei,  läßt  sich  auf  diesem  Wege  auch  nicht
um  Haaresbreite  näher  kommen.
Es  besagt  dies  einen  Unterschied,  über  den  das  praktische
Leben  in  tausend  Fällen  leichthin  hinweggeht,  so  daß  uns  die  Gewohnheiten ­
  des  praktischen  Denkens  hier  nur  eine  unerhörte
Spitzfindigkeit  erblicken  lassen.  Nun,  der  Erwägung  würde  dieses
Los  in  allerbester  Gesellschaft.  Vom  Standpunkte  dieses  praktischen
Denkens  aus  wäre  auch  das  Kopernikanische  System  nur  einer  unerhörten ­
  Spitzfindigkeit  entstammt:  der  Beachtung  eines  „eleganteren“
Modus  in  astronomischen  Rechnungen,  für  den  das  praktische  Leben
genau  so  viel  Empfindung  besitzt  wie  für  jene  Schwäche  des  Analogieschlusses. ­
  Diese  liegt  im  Prinzipe  einmal  vor;  unser  Problem  betrifft
aber  eine  streng  prinzipielle  Erwägung,  und  so  fällt  daher  jener  Unterschied ­
  im  Schlußverfahren  voll  ins  Gewicht,  wie  immer  die  Eindrücke
des  praktischen  Denkens  auch  sein  mögen.  Man  glaube  übrigens  nicht,
daß  man  sich  jenen  Unterschied  analog  dazu  denken  müßte,  wie  sich
der  „Indizienbeweis“  zum  „Zeugenbeweis“  verhält.  Das  führte  schon
deshalb  irre,  weil  beide  Beweisarten  vom  naturwissenschaftlichen
Standpunkt  aus  gar  nicht  greifbar  sind,  beide  auf  das  Erschließen
eines  vom  Boden  der  Denkgesetze  aus  erfaßlichen  Geschehens
hinauslaufen.
Wieviel  jener  Unterschied  zuungunsten  der  metahistorischen  Erkenntnis ­
  besagt,  wird  erst  klar,  wenn  man  sich  vorhält,  daß  die
Bindung  an  Analogieschlüsse  und  der  generische
Charakter  der  Metahistorie  zwar  Korrelatbegriffe  sind,  für  die
Erwägung  aber,  wie  prekär  der  metahistorische  Aufschluß  über  die
Vergangenheit  ist,  nebeneinander  in  Anschlag  kommen.  Es  bleibt
der  metahistorischen  Erkenntnis  nicht  bloß  versagt,  die  räumlichen
Dinge  anders  als  aus  dem  Gesichtspunkte  ihrer  abstrakten  Beziehungen
zu  erfassen;  auch  die  Art,  wie  wir  uns  diese  Dinge  in  das  kausale
Geschehen  verflochten  denken,  ergibt  sich  aus  dem  Gesichtspunkte
von  abstrakten  Beziehungen,  die  sich  zum  Analogieschlüsse  verdichten.
In  dieser  doppelten  Weise  wird  also  die  Frage,  was  denn  eigentlich
wirklich  geschehen  sei,  im  wesentlichsten  Sinne  ausweichend
            
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