Full text: Wirtschaft als Leben

Abschnitt V. 
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Im Grunde genommen renne ich mit dieser Feststellung nur offene 
Türen ein. Sie wird niemand überraschend kommen. Wir stehen da 
einfach vor jenem längstbekannten, vielbeklagten „Chaos“, vor jener 
Zerfahrenheit der „Wertlehre“, mit der man sich nun einmal abge 
funden hat. 
Die Sache selber ist eine alte und längstbekannte; aber sie muß 
uns hier in einer neuen Beleuchtung erscheinen. Wir werden hier auf 
einen bedenklichen Zwiespalt aufmerksam, in welchen die tatsächlichen 
Verhältnisse in der „Wertlehre“ zu der überkommenen Anschauung 
geraten, die im Wertgedanken ihren prägnanten Ausdruck findet. So 
weit nämlich ein erster Überblick ein Urteil darüber zuläßt, scheinen 
diese Antworten auf die Frage „Was ist der Wert?“ ganz und gar 
nicht darauf hinzudeuten, daß es sich bei ihnen um die subjektiven 
Erledigungen von einem und demselben zu Erledigenden 
handelt. 
Es bedarf da sofort einer Erklärung, weshalb man nicht schon 
längst über diese Dinge stutzig geworden ist. Diese Erklärung ist 
aber leicht zu geben. Um nämlich den Widerspruch herauszufühlen 
zwischen den Verhältnissen der „Wertlehre“, die im Geiste der her 
kömmlichen Anschauung erstanden ist, und dieser Anschauung selber, 
dazu bedarf es einer Selbsterkenntnis der letzteren, die ihr bisher eben 
unbestreitbar gefehlt hat. Solange der Wertgedanke die verborgene 
Grundlage der herkömmlichen Anschauung bleibt, solange er gleichsam 
das Denken beherrscht, ohne selber von ihm beherrscht zu werden, 
solange vermag er ebensowenig kritische Bedenken auszulösen, als er 
selber kritischen Zweifeln erreichbar ist. Da war es erst nötig, den 
Wertgedanken bewußt zur Annahme zu setzen, um daraufhin bei 
der Betrachtung der „Wertlehre“ jenen Widerspruch herausfühlen zu 
können. 
Zum Überfluß ist der Wertgedanke gerade auf seine stille 
Geltung hin dazu angetan, alle kritischen Bedenken über die Wirrnis 
in der „Wertlehre“ im Keime zu ersticken. Wer nämlich unter der 
Herrschaft der herkömmlichen Anschauung steht, wer also im Ein 
klänge mit dem Wertgedanken denkt, ohne sich darüber Rechenschaft 
ablegen zu können, der muß sich dadurch schon einem 
Singularobjekte , Wert“ gegenübersehen, das er — nach 
seiner subjektiven Ansicht — entweder schon durch eine der vor 
handenen „Werttheorien“ für erledigt hält, oder erst durch eine eigene 
„Werttheorie“ zu erledigen sucht. Er sieht also nicht bloß ein unter 
„Wert“ zu Erledigendes vorhanden, das er für alle gemeinsam wähnt, 
es gibt ihm auch die angeeignete oder eigene „Werttheorie“ ein Ur
	        
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