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X. Kapitel.
gleichen Werte zu dem, was er ausgeliehen hatte, plus Zinsen zurück-
empfängt x ). Nehmen wir ferner an, daß während der Zeit des Darleihens
diese Güter im Verhältnis zu anderen Gütern im Werte steigen. Dann gewinnt
der Darleiher wirklich, da er nunmehr im Austausch gegen Güter, die zu be
nützen sein ursprünglicher Zweck war, mehr andere Güter erhalten kann —
ein Schritt, zu dem er nun veranlaßt wird, was unter anderen Umständen
nicht der Fall sein würde. Für den Entlehner indessen könnte das Steigen
im Werte der Güter, auf deren Basis die Rückzahlung vereinbart wurde,
im Verhältnis zu den Gütern, mit deren Produktion er sich beschäftigt, als
verlustbringend betrachtet werden. Die nämliche Kaufkraft für die Güter,
auf deren Basis er Zahlung zu leisten hat, bedeutet in einem solchen Falle
eine größere Kaufkraft für die Güter, mit deren Produktion er sich beschäftigt.
Es ist klar, daß keine Art von Gütern als annehmbarer Wertmaßstab
dienen kann. Eine Indexnummer, welche als Wertmaß für aufgeschobene
Zahlungen dienen soll, muß eine breite Basis haben.
Wären alle Entleiher und Darleiher nur als Konsumenten interessiert,
— würden die Darleiher um darleihen zu können, auf die unmittelbare
Konsumtion in dem Gedanken verzichten, bei der Rückzahlung mehr zu ver
brauchen und die Entleiher sich darauf einrichten, unverzüglich mehr zu
konsumieren in der Absicht, später weniger zu verbrauchen — so würde sich
eine ganz zufriedenstellende Indexnummer für jedes Einzelwesen als un
möglich erweisen. Die Güter, für die sich der Darleiher in einem gegebenen
Falle interessiert, könnten für den Entleiher nicht von der größten Bedeutung
sein. Es könnte nur ein annähernder Durchschnitt getroffen und eine Index-
nummer gefunden werden, die von allen Parteien in ihren Kontrakten be
nutzt werden kann. Dieser Durchschnitt würde zweifellos ein solcher sein,
in dem jede Preisrelation der Totalkonsumtion der Güter gemäß gewogen
würde, auf die sie sich bezöge, gemäß der totalen Konsumtion aller Ent
leiher und aller Darleiher in dem betreffenden Lande.
Die Sache ist indessen noch komplizierter, denn viele Entleiher und Dar
leiher sind weniger an der Konsumtion als an der Kapitalanlage interessiert * 2 ).
Die Wahl ist ebensowohl zwischen Darlehen und anderer Kapitalsanlage,
als zwischen Darlehen und Konsumtion zu treffen. In gleicher Weise kann
der Entleiher ebensogut borgen, um Geld anzulegen, als um zu konsumieren
und er kann vorziehen, das Geld zur Riickzalilung durch Verminderung der
*) Das Argument des letzten Teiles dieses Abschnittes ist im wesentlichen dasselbe
wie das einer Schrift von Harry G. Brown im Quarterly Journal of Economics, August 1909,
betitelt: „A Problem in Deferred Payments and the Tabular Standard“.
2 ) Vgl. Kemmerer, Quarterly Journal of Economics, August 1909.