Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Übergangs,  die  von  einer  Ordnung  zur  anderen  führen,  und  die  so  viele
unverdiente  Leiden  mit  sich  bringen.  Er  möchte,  daß  man  ihre  Härten
lindere,  daß  man  den  Übergang  von  einer  Epoche  in  die  andere  erleichtere.
Gibt  es  einen  gerechteren  Wunsch?  Sogar  J.-B.  Say  hat  das  anerkannt 1 )
(allerdings  in  einem  recht  geringen  Maße),  und  gerade  hierin  besteht  auch
die  Aufgabe  der  Sozialpolitik.
Eine  andere  Bemerkung  Sismondi’s  ist  nicht  weniger  richtig.  Es
erregt  nicht  nur  seine  Entrüstung,  daß  die  Arbeiter  von  den  Maschinen
verjagt  werden,  sondern  auch,  daß  die  in  ihrer  Stellung  verbliebenen
Arbeiter  nur  einen  so  geringen  Anteil  an  den  Vorteilen,  die  sie  mit  sich
bringen,  erlangen 2 ).  Den  Klassikern  genügte  es,  daß  die  Arbeiter  als
Verbraucher  an  der  Verbilligung  der  Produkte  Anteil  hätten.  Sismondi
aber  verlangt  mehr.  Solange  die  Arbeit  so  erdrückend  wie  heute  ist,
würde  es  doch  nur  gerecht  sein,  daß  die  Arbeiter  von  der  Einführung
der  Maschinen  durch  Verkürzung  der  Arbeitszeit,  durch  Verlängerung
/  ihrer  „freien  Zeit“  profitierten!  Unter  der  heutigen  sozialen  Ordnung
und  dank  der  Konkurrenz,  die  sich  die  Arbeitenden  untereinander  machen,
und  deren  Ursachen  für  ihn  in  einer  Überbevölkerung  bestehen,  vermehrt
die  Maschine  die  freie  Zeit  des  Arbeiters  nicht  nur  nicht,  sondern,  indem
sie  die  Konkurrenz  verstärkt,  drückt  sie  seinen  Lohn  herab  und  zwingt
ihn,  immer  intensiver  und  immer  länger  zu  arbeiten.  Auch  hierin  scheint
uns  Sismondi  das  Kichtige  gesehen  zu  haben.  Es  ist  nicht  einzusehen,
warum  der  Verbraucher  allein  von  dem  ganzen  Vorteil  der  Maschinen
profitieren  sollte,  während  der  Arbeiter  leer  ausgeht,  wenn  es  sich  um
Gegenstände  handelt,  die  nicht  in  den  Verbrauch  des  Arbeiters  eingehen.
Es  würde  nichts  Widersinniges  an  sich  haben,  wenn  die  Vorteile  des  Fortschrittes ­
  zum  wenigsten  während  einer  gewissen  Zeit  geteilt  würden,
und  zwar  zwischen  dem  Verbraucher  und  dem  Arbeiter,  so  wie  sie  jetzt
zwischen  dem  Erfinder,  dem  Unternehmer  und  der  Gesellschaft  geteilt
werden.  Diese  Idee  liegt  übrigens  heute  der  Taktik  gewisser  Arbeiter-’)

  Siehe  weiter  oben,  S.  122.
'-)  „Wir  haben  schon  an  anderer  Stelle  gesagt,  halten  es  aber  für  wesentlich,
nochmals  darauf  hinzuweisen:  daß  das  wirkliche  Unglück  nicht  in  der  Verbesserung
der  Maschinen  begründet  ist,  sondern  in  der  ungerechten  Verteilung  ihrer  Produkte.
Um  so  mehr  Erzeugnisse  wir  mit  einer  gegebenen  Arbeitsmenge  herstellen  können,
um  so  mehr  sollten  wir,  sei  es  unsere  Annehmlichkeiten,  sei  es  unsere  Erholung  vermehren ­
  können;  der  Arbeiter,  der  sein  eigener  Herr  ist,  würde,  wenn  er  mit  Hilfe
einer  Maschine  in  zwei  Stunden  das  fertiggestellt  hat,  wozu  er  sonst  zwölf  Stunden
braucht,  nach  diesen  zwei  Stunden  mit  der  Arbeit  aufhören,  wenn  er  nicht  irgendeinen ­
  Grund  oder  einen  Zweck  hätte,  ein  größeres  Erzeugnis  zu  verwenden.  Es  liegt
an  unserer  jetzigen  Organisation,  an  der  Versklavung  des  Arbeiters,  daß  er  gezwungen
ist,  wenn  eine  Maschine  seine  Arbeitskraft  erhöht,  nicht  weniger,  sondern  mehr  Stunden
am  Tag  zu  arbeiten  und  zwar  für  denselben  Lohn“  (Nouv.  Princ.,  II,  S.  318,  Anm.)-Diese
  Stelle  zeigt  am  klarsten  den  wahren  Gedanken  Sismondi’s  über  die  Maschinen.
            
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