Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  V.  Proudhon  und  der  Sozialismus  von  1848.

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Was  ist  darunter  zu  verstehen?  Betrachtet  Proudhon  alles  Eigentum ­
  als  Ergebnis  des  Diebstahls?  Verurteilt  er  die  Aneignung,  die  Tatsache ­
  des  Besitzens  an  sich?  So  verstand  ihn  das  große  Publikum,  und
man  kann  nicht  in  Abrede  stellen,  daß  Proudhon  auf  diese  Verblüffung
des  „Bourgeois“  gerechnet  hat.  Doch  entspricht  das  keineswegs  seiner
Auffassung.  Das  Privateigentum,  die  freie  Verfügung  über  die  Früchte
der  Arbeit  und  des  Sparsinnes,  ist  in  seinen  Augen  „das  Wesen  der  Freiheit“;
in  ihr  liegt  der  Grund  der  Herrschaft  des  Menschen  über  sich  selbst 1 ).  Was
wirft  er  aber  nun  dem  Eigentum  vor?  Einfach  das  Recht,  das  es  seinem
Besitzer  verleiht,  ein  Einkommen  ohne  Arbeit  zu  erheben.  Es  ist
mcht  das  Eigentum  an  und  für  sich,  sondern  das  „Herrenrecht“ 2 )  der
Besitzenden,  das  Proudhon  —  ebenso  wie  Owen,  die  englischen  Sozialisten ­
  und  die  Saint-Simonisten  —  verdammt,  dieses  Heimfallsrecht,  das
je  nach  den  Umständen  und  dem  Gegenstand  den  Namen  Rente,  Pacht,
Miete,  Geldzins,  Profit,  Agio,  Diskont,  Kommission,  Privilegium,  Monopol,
Bonus,  Sinekure,  Bestechung  usw.  annimmt 3 ).
Denn  zusammen  mit  allen  Sozialisten,  die  ihm  vorausgegangen  sind,
betrachtet  auch  Proudhon  die  Arbeit  allein  als  produktiv 4 ).  Weder  der
Boden,  noch  die  Kapitalien  sind  ohne  Arbeit  produktiv.  Daraus  ergibt
s mh,  daß  „der  Eigentümer,  der  eine  Steuer  auf  Grund  der  Dienstleistungen
seines  Instrumentes,  der  Produktivkraft  seines  Bodens  verlangt,  eine  völlig
mische  Tatsache  annimmt,  nämlich,  daß  die  Kapitalien  selbst  irgend  etwas

4 )  Contradictions,  Bd.  I,  S.  219  221.  rioimfallsrecht  am  Eigentum
■)  „Droit  d’aubaine“,  jus  albinagü,  Fremdenrecht;  Heimfallsrec
Fremder,  das  dem  Herrn  zustand  (Anm.  d.  Ubers.,_  Gedanke  wir d  häufig
3 )  R6sum6  do  la  question  soc . ,ale ' b '7 uf  Gru 6 nd  der  Arbeitsteilung  waren
auch  an  anderen  Stellen  von  ihm  ausgedruckt.  „Au  Verkehrsn etzes.  Ein
die  individuellen  Besitztümer  nur  mehr  wie  □  l  ität  ; n  eine  Art  Durchgangsieder ­
  Besitzer  fand  sich,  infolge  der  allgemeinen  Solidiint.»  ^  hatte ,  und  der  wie
zoll-Einnelimer  verwandelt,  der  die  Tür  einer  c  v, 0 findlichen  Erzeugnis  eine  Transitgüter ­
  der  feudale  Grundherr  von  jedem  im  Umlaufbef  m  gt>hl  wur d e “  (Banque
abgabe  erhob.  ...  So  geschah  es,  daß  das  Eigen  icbt  der  Ansicht  war,  Zinsen
d’fichange,  S.166).  Hervorzuheben  ist,  daß  Proudho  ^  beson d e rs  in  seiner  Austen ­
  stets  unberechtigt.  In  der  Vergangenheit  (er  erKi  glaubt  er ,  für  die  Zueinandersctzung
  mit  Bastiat)  waren  die  Zinsen  ere  mac i len .
kunit  das  Mittel  gefunden  zu  haben,  sie  unno  ig  ^  d er  von  Marx  zul
 )  Man  darf  diese  These,  was  fast  stets  gescie  ,  ^- ege  jdee  gibt  Proudhon
sammenwerfen,  für  den  jeder  Wert  aus  der  Ar  61 ,  (constitud)  werden,  d.  h.  in
nicht  zu.  Der  Wert  muß,  nach  ihm,  gerade  „geDU  v  übere inzustimmen.  Er
der  Weise  geregelt,  um  mit  der  .®'  rresollschaft  der  Fall  sei.  MARXWirft
glaubt  aber  nicht,  daß  das  schon  in  der  heutig  Philosophie  vor,  das  nicht  zu
nun  gerade  in  seiner  Schrift:  Misere  1  ®  daß  die  Erzeugnisse  (nicht
glauben.  Proudhon  gibt  nur  zu,  wie  Rodb*  Arbeit  beruhen.  Vgl.  oben
?«Wert  der  Erzeugnisse)  ausschließlich  auf  der  Arne
(S.  235/236).
            
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