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Viertes Buch. Die Abtrünnigen.
und notwendige Genossenschaftsform sei, — worunter zu verstehen ist,
eine von einer freiwilligen Übereinstimmung der Beteiligten ebenso unabhängige
Genossenschaftsform, — wie die Wohnsitzgemeinschaft.
Nun gibt aber jedermann zu, daß alle Einwohner der gleichen Gemeinde
sich dem Gesetz der organisierten Mehrheit unterwerfen müssen. Warum
sollte das nun in der Korporation, in dem Berufsverbande, anders als
in der Gemeinde sein? 1 )
Man geht sogar so weit, den Berufsgenossenschaften eine offizielle
politische Rolle zuzusprechen, indem man ihre Organisation zur Basis
eines neuen Wahlsystems macht, zum wenigsten für eine der beiden
Kammern. *
Es ist etwas schwierig, — doch auf keinen Fall schwieriger, als
bei allen anderen Plänen sozialer Erneuerung — sich eine nach diesem
Muster errichtete Gesellschaft vorzustellen.
Zunächst erscheint es, als ob es nur eine der katholischen Religion
angehörende Gesellschaft sein könne 2 ). Sobald nämlich im Rahmen
dieser Berufsgenossenschafts-Organisation Feinde der Religion oder
auch nur religiös Gleichgültige die Oberhand erhielten, würde Alles zusammenbrechen.
Das allein schon macht die Verwirklichung äußerst
fragwürdig. Lassen wir dies aber beiseite.
*) „Die erstere (die Gemeinde) ist zu jeder Zeit organisiert gewesen; die zweite
nicht. Warum? In beiden Fällen stellen sich besondere Verhältnisse ein, entstehen
ähnliche Bedürfnisse, treten erzwungene Konkurrenzen, Interessenverbindungen und
-gegensätze auf, eine Gesamtheit von Beziehungen, deren Koordination auf Grund
einer regelmäßigen normalen Ordnung notwendig ist, um Alle zu schützen und eine®
Jeden die Fähigkeit zu gewährleisten, sein Ziel zu verfolgen (Henri Lorin, Principes
de ^Organisation professionelle, UAssociation Catholiqu e >
15. Juli 1892).
Man kann hierauf allerdings antworten, daß in der Gemeinde die Mehrzahl den
Ausschlag gibt, während in der freien Korporation dies oft die Minderheit sein würde.
Dem kann andererseits entgegengehalten werden, daß in der Gemeinde die sogenannte
Mehrheit des Gemeinderats, die regiert, oft nur eine Minderheit von Wählern vertritt,
und noch dazu eine im Verhältnisse zur Gesamtheit der Einwohner viel geringe®
Minderheit, besonders wenn man die Frauen dazu rechnet, die kein Stimmrecht
haben; — und übrigens auch, daß dem Berufsverbande, mit dem Tage, an dem seine
Vorschriften obligatorisch sein würden, ohne Zweifel die Mehrheit und sogar die Gesamtheit
der Arbeiter des betreffenden Berufes angehören würde.
2 ) Der Pater Antoine sagt in seinem Cours d-’Economie Sociale (S. 154);
„Die soziale Frage kann vollständig nur durch die Wiederherstellung christliche!'
Sitten gelöst werden.“ Noch viel kategorischer ist die Erklärung Leon IIarmel’s in
der Association Catholique vom Dezember 1889: „Wir haben nur ein einziges
. Heilmittel: daß die Autorität des Papstes in der ganzen Welt anerkannt sei und seine
' Leitung von allen Völkern angenommen werde.“
Doch ist in den Semaines Sociales, jährlichen Studienvereinigungen, 5®
heute die bedeutendste Kundgebung des sozialen Christentums sind, und in denen
alle aktuellen wirtschaftlichen Fragen diskutiert werden, das Programm nicht m e h r
rein katholisch und läßt alle die zu, die sich zum Christentum bekennen.