Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

gegen  jede  Verwechslung  mit  den  „Gelben“,  d.  h.,  sie  erklären  sich  ebenso
unabhängig  von  den  Arbeitgebern  wie  von  den  Sozialisten.
Die  Einmischung  des  Staates  wird  am  Anfang  nötig  sein,  um  die
berufsmäßige  Organisation  aufzubauen;  sobald  sie  aber  einmal  fertig
dastehen  wird,  wird  sie  nach  und  nach,  wie  wir  gesehen  haben,  die  Macht
der  gesetzgebenden  Gewalt  und  der  Verwaltungspolizei  an  sich  ziehen,
wenigstens  im  Bereich  der  Arbeitergesetzgebung,  und  besonders  in  bezug
auf  den  Hauptpunkt,  nämlich  die  Festsetzung  des  Lohnes 1 )  und  alles
was  davon  abhängt,  wie  die  Organisation  der  Altersversorgung.  Die
gesetzgebende  Macht  wird  aber  reichlichen  Stoff  zur  Betätigung  außerhalb ­
  der  beruflichen  Interessen  finden,  wie  besonders  in  der  Regelung
der  Eigentumsrechte,  dem  Wucherverbot,  dem  Schutz  der  Landwirtschaft ­
  usw. 2 ).
Der  Staat,  sagt  die  Encyklika  Immortale  Dei  Leo’s  XIII.  —
der  hierin  übrigens  nur  eine  Stelle  des  Apostel  Paulus  wiederholt,  —
ist  „der  Diener  Gottes  zum  Guten“.  Paulus  sagt  aber  an  einer  anderen
Stelle,  daß  das  Gesetz  der  Zuchtmeister  sei,  der  uns  zu  Christum  führen
solle,  und  wenn  man  das  Wort  so  versteht,  daß  es  die  Aufgabe  des  Gesetzes ­
  sei,  zur  brüderlichen  Solidarität  zu  führen,  so  hat  man  eine  ziemlich
genaue  Vorstellung  davon,  wie  der  soziale  Katholizismus  die  Rolle  des
Staates  auffaßt.
Der  soziale  Katholizismus  hat  manchmal  sehr  fortgeschrittene  Bestrebungen ­
  bekundet,  die  sich  stark  dem  eigentlichen  Sozialismus  näherten-Doch
  sind  sie  nur  individuelle  Kundgebungen  geblieben  und  übrigens
formell  von  Rom  verdammt  worden;  gewöhnlich  haben  sich  die,  die  sie
geäußert  hatten,  löblich  unterworfen.
Zunächst  griff  1888  Lcesewitz  in  der  Association  Catholique
die  sogenannte  Produktivität  des  Kapitals  heftig  an 3 ):  dies  erregte  einen

J )  „Über  ihrem  freien  Willen  (dem  der  Arbeitgeber  und  der  Arbeitnehmer  in
dem  Arbeitsvertrag)  steht  ein  höheres  und  ein  älteres  Gesetz  natürlicher  Gerechtigkeit
daß  nämlich  der  Lohn  nicht  ungenügend  sein  darf,  um  einen  ruhigen  und  ehrlichen
Arbeiter  bestehen  zu  lassen  .  .  .  Aber  in  der  Befürchtung,  daß  in  diesem  Falle  und
in  anderen  ähnlichen,  wie  z.  B.  mit  Hinsicht,  auf  den  Arbeitstag  die  öffentliche  Gewalt
sich  nicht  zur  richtigen  Zeit  einmischen  möchte,  und  angesichts  besonders  der  Mannigfaltigkeit ­
  der  zeitlichen  und  örtlichen  Umstände  würde  es  vorzuziehen  sein,  daß  i®
Prinzip  die  diesbezügliche  Lösung  den  Korporationen  und  Borufsverbänden  vorbehalten
  wird“  (Encyklika:  „Rerum  novarum“,  auch:  „Über  die  Lage  der  Arbeiter“ ­
  genannt,  1891).
s )  Die  Katholisch-Sozialen  sind  gewöhnlich  und  in  allen  Ländern  Schutzzöllner,
weil  sie  glauben,  daß  „ihr  korporatives  Regime  sich  nicht  ohne  wirksamen  Schutz
gegen  die  ausländische  Konkurrenz  halten  könne“,  (Programme  de  DCEuvre  des
cercles  ouvriers,  §  7)  —  und  auch  deshalb,  weil  sie  in  den  landwirtschaftlichen
Syndikaten  die  meisten  Anhänger  haben.
s )  „Die  angebliche  Produktivität  des  Kapitals,  die  die  große  Ungerechtigkeit
der  heidnischen  Gesellschaften,  und  vom  wirtschaftlichen  Gesichtspunkt  die  letzte
            
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