Full text : Inflation und Geldentwertung

Geldwerterhöhung  oder  Geldentwertung?

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im  günstigen  Falle  nur  langsam  vor  sich  gehen  können.  Die
Geschichte  bestätigt  diese  Widerstände  gegen  eine  allzu  schnelle
oder  allzu  weitgehende  Beseitigung  von  eingetretenen  Geldentwertungen ­
  an  vielen  Beispielen.
Aber  nicht  nur  das  Interesse  der  Unternehmer  oder  überhaupt
aller  Besitzer  von  realen  Gütern  steht  einem  Abbau  der  Preise
im  Wege,  sondern  auch  die  Lage  der  Schuldner  wird  durch  eine
Geldwerterhöhung  verschlechtert.  Diejenigen,  die  während  der
Entwertungsperiode  Schulden  in  schlechtem  Gelde  aufgenommen
haben,  müßten  später  den  gleichen  Nennbetrag  in  gutem  Gelde,
das  sie  sich  mit  größerer  Mühe  zu  beschaffen  hätten,  zurückzahlen.
Sehr  hart  würden  hiervon  die  zahlreichen  Personen  mit  geringen
Einkommen  (Beamte)  getroffen  werden,  die  während  des  Krieges
Schulden  gemacht  haben,  um  sich  die  Mittel  für  den  Lebensunterhalt ­
  zu  beschaffen.  Im  übrigen  ist  ja  infolge  der  Kriegsfinanzierung
der  geschäftliche  Kreditverkehr  im  allgemeinen  eingeschränkt,  sind
sogar  die  meisten  Schulden  aus  den  Kriegsgewinnen  zurückgezahlt
worden.  Dagegen  würde  eine  Klasse  von  Schuldnern  von  der
Geldwerterhöhung  ganz  besonders  hart  getroffen  werden:  die
öffentlichen  Körperschaften,  in  erster  Linie  das  Reich,  in  geringem
Maße  die  Einzelstaaten  und  Kommunen,  die  während  des  Krieges
Schulden  auf  Schulden  gehäuft  haben.  So  hatte  allein  das  Reich
bis  1.  April  1919  für  etwa  180  Milharden  Mark  Schulden  aufgenommen. ­
  Für  mindestens  2 / 3  dieser  Summe  hat  das  Reich  entwertetes ­
  Geld  erhalten,  und  zwar  war  dieses  Geld  um  so  stärker
entwertet,  je  später  die  Schuldaufnahme  stattgefunden  hat.  Die
180  Milharden  Mark  dürften  nicht  viel  mehr  als  90  Milliarden
Mark  Friedenswährung  darstellen.  Wenn  aber  das  Reich  diese
180  Milliarden  Mark  in  gutem  Gelde  wieder  zurückzahlen  soll,  so
würde  das  für  die  Gläubiger  ein  glänzendes  Geschäft  bedeuten.
Die  Zinsen  und  Rückzahlungsquoten  müssen  aus  Steuern  aufgebracht ­
  werden,  werden  also  vom  Reich  eingenommen  und  ausgegeben. ­
  Aber  die  Aufbringung  der  Steuern  wird  schwieriger,  wenn
bei  geringeren  Preisen,  geringeren  Umsatzsummen,  geringeren
Nominaleinkommen  der  Einzelwirtschaften  für  die  Schulden  des
Reiches  in  der  alten  Nennwerthöhe  von  180  Milharden  Mark
allgemein  höhere  Abgaben  und  Steuern  erhoben  werden  müssen.
Die  Steuern  würden  drückender  werden,  und  wenn  auch  auf  der
anderen  Seite  die  Ausgaben  des  Reiches  für  Zinsen  und  Tilgungen
            
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