Full text : Inflation und Geldentwertung

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Finanzielle  Maßnahmen  zum  Abbau  der  Preise.

Ich  unterschätze  nun  keineswegs  die  inneren  Kämpfe,  die
die  Kenner  des  Geldwesens  durchgemacht  haben  müssen,  bis  sie
zu  dem  Entschluß  gekommen  sind,  eine  derartige  Maßnahme  in
Vorschlag  zu  bringen.  Ihnen  gegenüber  ist  es  nicht  nötig,  das
Unheil  zu  schildern,  das  sich  aus  der  Durchführung  einer  solchen
Maßnahme  für  unsere  ohnehin  schon  schwer  kämpfende  Volkswirtschaft ­
  und  ihre  Bevölkerung  ergeben  würde.  Der  österreichische
Staatsbankerott  von  1811  würde  gegen  den  deutschen  Staatsbankerott ­
  von  1919  ein  Kinderspielsein:  Damals  noch  überwiegend
Naturalwirtschaft,  heute  eine  Geld-  und  Kreditwirtscbaft,  die  in
ihrer  Ausbildung  und  in  ihren  Ausstrahlungen  nach  allen  Schichten
der  Bevölkerung  kaum  noch  zu  übertreffen  ist.  Und  wie  schrecklich
waren  schon  1811  die  Folgen!  Gewiß  bedeutet  diese  Art  von
Staatsbankerott  eine  kräftige  Operation;  man  darf  jedoch  nicht
übersehen,  daß  diese  Operation  nur  sehr  langsam  und  unter  den
größten  Schmerzen  an  einer  Bevölkerung  verlaufen  würde,  die
schon  fünf  Kriegsjahre  voll  der  schrecklichsten  körperlichen  und
seelischen  Nöte  hinter  sich  hat.
Aber  auch  aus  sachlichen  Gründen  muß  mit  aller  Entschiedenheit ­
  gegen  die  Herbeiführung  einer  solchen  Geldentwertung,  gegen
diese  Kur  ä  la  Doktor  Eisenbart  Widerspruch  erhoben  werden.
Wenn  auch  die  Zukunft  dunkel  und  voll  böser  Erwartungen  vor
uns  liegt,  so  besteht  doch  die  Hoffnung,  daß  sich  das  deutsche  Volk
in  absehbarer  Zeit  aus  diesem  Unglück  erheben  und  erholen  wird.
Dafür  bürgen  seine  glänzenden  Gaben  und  Fähigkeiten,  die  vorhanden ­
  waren  und  noch  sind  und  vorhanden  bleiben,  obwohl  sie
in  dieser  Unglückszeit  zeitweise  außer  Kraft  gesetzt  erscheinen.
Sie  werden  wieder  hervortreten,  wenn  einigermaßen  die  Ordnung
zurückgekehrt  ist,  und  sie  werden  dann  auch  die  deutsche  Volkswirtschaft ­
  wieder  emporführen.  So  sollte  grundsätzlich  keine  andere
Überlegung  Platz  greifen  dürfen,  als  die:  keine  Anstrengung  ist
zu  unterlassen,  um  auf  dem  Wege  über  die  Steuerpolitik  zu  einer
Ordnung  der  Finanzen,  zu  einer  Einschränkung  der  Kaufkraft
der  Einzelwirtschaften,  der  Inflation,  zu  einer  Steigerung  der  Erzeugung ­
  und  zu  einer  Vermehrung  der  Sachgüter  und  damit  zu
einem  Preisabbau  zu  kommen.  Die  Wege  hierzu  sind  oben  angedeutet ­
  worden  (vgl.  S.  93).
Ob  es  freilich  einer  noch  so  tatkräftigen  Produktions-  und
Finanzpolitik  gelingen  wird,  dieses  Ziel  überhaupt  oder  in  gerader
            
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