Full text : Inflation und Geldentwertung

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Die  Finanzwirtsohaft  während  des  Krieges  nsw.

Nicht  kann  der  Beweis  für  das  Bestehen  einer  Inflation  aus
der  Beanspruchung  der  Darlehnskassen  erbracht  werden.  Der
Darlehnsbestand  der  Darlehnskassen  betrug:

Ende

1914  .  .

1,315  Milliarden  Mark

J?

1915  .  .

•  2,348

5?

1916  .  .

•  3,407

>?

1917  .  .

.  7,689

J  J

1918  .  .

•  15,621

Die  besonders  in  den  letzten  beiden  Jahren  stark  ansteigenden
Vorschüsse  der  Darlehnskassen  sind  lediglich  ein  Zeichen  dafür,
daß  nicht  genügend  flüssige  Geldkapitalien  zur  Verfügung  standen,
um  die  Nachfrage  danach  (in  der  Hauptsache  von  seiten  der  öffentlichen ­
  Körperschaften)  zu  befriedigen.  Die  Vorschüsse  bedeuten
nicht,  daß  diese  flüssigen  Geldkapitalien  samt  und  sonders  fehlten.
Zum  Teil  wurden  sie  von  ängstlichen  Leuten  in  Bargeld  thesauriert,
zum  Teil  waren  sie  als  Kassenbestände  und  Giroguthaben  bei  den
Banken  und  der  Reichsbank  gebunden.  Die  Vorschüsse  bei  den
Darlehnskassen  zeigen  nur  den  Betrag  der  Vermögensstücke  an,
die  abseits  der  Banken  lombardiert  worden  sind.
Wie  bei  den  Noten  der  Reichsbank,  ebenso  unzulässig  ist  es
zu  sagen,  daß  der  Umlauf  an  Darlehnskassenscheinen  das  sichtbare
Zeichen  dafür  sei,  daß  in  Deutschland  eine  Inflation  herrsche.
Sogar  die  Auffassung  ist  vertreten  worden,  daß  —  wenn  auch  nicht
der  Notenumlauf  der  Reichsbank,  so  doch  —  zum  mindestens  der
Umlauf  an  Darlehnskassenscheinen  auf  Inflation  zurückzuführen
sei 1 ).  Auch  diese  Auffassung  ist  unhaltbar.  Genau  wie  die  Reichsbanknoten, ­
  passen  sich  die  Darlehnskassenscheine  dem  Verkehrsbedarf
  an.  Ursprünglich  wurden  sogar  die  Darlehen  bei  den
Darlehnskassen  in  Noten  der  Reichsbank  ausbezahlt  und  die  Darlehnskassenscheine ­
  zurückbehalten.  Um  das  Anwachsen  des
Notenumlaufes  zu  hindern,  und  weil  der  Verkehr  große  Mengen
kleiner  Scheine  verschlang,  ist  später  von  diesem  Verfahren  abgegangen ­
  worden.  Zur  Förderung  des  bargeldlosen  Zahlungsverkehrs ­
  werden  in  neuerer  Zeit  nach  Möglichkeit  alle  Darlehen
J )  Lief  mann  a.  a.  0.  S.  155:  Die  Darlehnskassenscheine,  eine  unter  allen
Umständen  falsche  Geldschöpfung  .  .  .
Man  kann  zwischen  den  Noten  der  Reichsbank  und  dem  Papiergeld  der
Darlehnskassen  keinen  wirtschaftlich  begründeten  Unterschied  machen.  Beide
Papiergeldarten  sind  die  Folgen  der  Kreditaufblähung;  sie  sind  beide  Symptome
der  gleichen  volkswirtschaftlichen  Krankheit.
            
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