Full text : Inflation und Geldentwertung

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Die  Finanzwirtsc!iaft  während  des  Krieges  usw.

Wie  der  aufgeblähten  Kaufkraft  im  allgemeinen  keine  oder  nicht
genügende  Mengen  von  Gütern  (im  weitesten  Sinne)  gegenüberstehen ­
  (sie  sind  während  der  4 1 / a jährigen  Kriegsdauer  größtenteils
vernichtet  worden),  so  fehlt  auch  den  Kriegsanleihen  bis  zu  einem
gewissen  Grade  eine  reale  Grundlage.  Insofern  ist  es  zulässig,
volkswirtschaftlich  von  einem  fiktiven  Kapital  zu  sprechen  (Dalberg), ­
  das  nur  aus  dem  Vermögen  der  Einzelwirtschaften  oder
den  zukünftigen  Arbeitserträgnissen  der  Volkswirtschaft  zurückgezahlt ­
  werden  kann.
III.  Inflation  und  Wertpapierhandel  (Börse).
1.  Dem  Wertpapierhandel  —  sowohl  dem  reinen  Anlagegeschäft
als  auch  der  eigentlichen  Spekulation  —  sind  während  des  Krieges
erhebliche  Kapitalien  zugeflossen.  Die  Bestände  der  Banken  sind
zum  größten  Teile  ausverkauft;  zahlreiche  Rentenpapiere  erzielen
heute  —  da  eine  Vermehrung  der  letzteren,  von  Ausnahmen  abgesehen, ­
  während  des  Krieges  nicht  stattgefunden  hat  —  geradezu
Liebhaberpreise.  Der  Zustrom  von  Kapital  zur  Börse  wurde  durch
die  glänzenden  Gewinnergebnisse  der  Industrie  gefördert.  Erhebliche, ­
  zum  Teil  riesige  Kurssteigerungen  der  Dividendenpapiere
waren  die  Folge.  So  hatten  —  insbesondere  im  Sommer  1918  —
selbst  im  Aktienhandel  die  Kurse  teilweise  eine  Höhe  erreicht,  die
in  keinem  Verhältnis  mehr  zum  Erträgnis  der  Aktien  standen.  Weil
die  aufgeblähte  Kaufkraft  der  Einzelwirtschaften  auf  eine  sich  nicht
vergrößernde  Wertpapiermenge  stieß,  mußte  auch  die  Preissteigerung ­
  am  Wertpapiermarkt  von  der  ,,Geld“-Seite  her  begünstigt
werden.
Auf  den  ersten  Blick  scheint  das  der  Börse  zuströmende,  sich
am  Wertpapiergeschäft  beteiligende  Kapital  der  Kriegsanleihe  verloren ­
  gegangen,  aber  auch  dem  Gütermarkt  entzogen  zu  sein:  der
Käufer  von  Wertpapieren  hat  zugunsten  seiner  Kapitalanlage  auf
seine  Kaufkraft  verzichtet.  Selbst  wenn  diese  Annahme  zuträfe,
bliebe  für  die  Frage  der  Einwirkung  der  Inflation  auf  die  Preise
zu  beachten,  daß  sich  die  Besitzer  jener  Kaufkraft  in  der  Regel
erst  dann  entschließen,  am  Börsenhandel  teilzunehmen,  wenn  sie
ihre  Bedürfnisse  am  Gütermarkt  befriedigt  haben.  Weil  für  sie  in
vielen  Fällen  eine  Verwendung  zum  Kauf  von  Gütern  nicht  mehr
in  Betracht  kam  und  weil  sie  ihrer  Pflicht  zur  Kriegsanleihezeichnung
glaubten  genügt  zu  haben,  trugen  zahlreiche  Personen  ihre  Kapi-
            
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