47
Eigentum und Erblichkeit.
irgendeiner Zeit einmal Kolonien gewesen sind — Gallien
war eine römische Kolonie, dann eine fränkische — und dieselbe
Geschichte hat zehnmal von vorn angefangen.
Dieser Ursprung des Grundeigentums belastet nicht die
gegenwärtigen Besitzer, denn er ist seit langem wieder verdeckt
und geläutert durch eine Reihe von Besitzübertragungen,
Käufen, Erbschaften, jedoch unter der Überschrift
„Eigentumstitel", wie man es im Rechtswesen nennt, und
vor allem unter dem Titel, der „Verjährung" heißt; aber
wenn man weit genug zurückgeht, steht die Eroberung nichtsdestoweniger
am Anfang des ganzen Grundeigentums.
Könnte man irgendwo in der Welt, sogar in Frankreich,
wo vielleicht mehr als in allen anderen Ländern das Grundeigentum
das am besten gesicherte ist, ein Stück Land finden,
das vom ersten Tag, an dem der Mensch seinen Fuß hingesetzt
und es urbar gemacht hat, in dieser Gestalt in den
Händen des Bearbeiters und seiner Erben als treuer Genosse
der Arbeit des Mannes geblieben wäre, so würde das eine
Kuriosität darstellen, die man mit einer Inschrift versehn
unter Glas setzen müßte, denn das wäre das seltenste geschichtliche
Denkmal.
Aber das Eigentum hat sich nicht auf die Eroberung des
Landes beschränkt. Es soll noch einen Sprung weiter machen:
es soll das immaterielle Eigentum werden, sehr verschieden
von dem soeben besprochenen Ureigentum, von jenen Produkten,
die mit Händen zu fassen sind. Es wird das werden,
was man „beweglichen Wert" nennt.
Es bildet heutzutage das Vermögen der meisten unter
uns. Ohne Zweifel gibt es heute noch einige Leute, die Besitzer
von Häusern, Ländereien, Grundstücken sind. Aber die
meisten von denen, die die sogenannte bürgerliche oder
Kapitalistenklasse bilden, haben ihr Eigentum in „der Brieftasche",
wie man zu sagen pflegt, das heißt in Gestalt von
bunten Papierstücken, die mit Zahlen und Bildern bedeckt
sind. Die einen stellen einen Besitzanteil an den Bergwerken
von Anzin dar oder an den Eisenbahnen der Gesellschaft Paris-Lyon-Marseille,
oder am Suezkanal, oder an entfernten Bergwerken,
wie denen von Transvaal oder Rio-Tinto. Haben
die Eigentümer diese Bergwerke oder Kanäle gesehn? Niemals-Wissen
Sie auch nur, wo sie sich befinden? Nicht alle. Und
diese Besitztitel sind nicht einmal auf ihren Namen ausgestellt.
Sie gehören dem Inhaber, wie man sagt. Sie sind namenlos.