kommission für Berlin und die Provinz Brandenburg usw. — den Parteivorstand
eingeladen hatten, um seine Vorschläge zu dieser Angelegenheit
entgegenzunehmen. Vom Parteivorstand wurde erklärt, daß er noch keine
Zeit gehabt habe, darüber zu beraten, und es fand ein vorläufiger
Meinungsaustausch statt, bei dem von Vertretern der Berliner dem Parteivorstand
der Vorwurf gemacht wurde, er wolle die Sache anscheinend auf
die lange Bank schieben, statt sein Versprechen zu halten. Der Parteivorstand
wies dies als unbegründet zurück, und es ward auf den 6. Oktober
eine Sitzung von Parteivorstand und Preßkommission angesetzt, die bestimmte
Vorschläge vereinbaren sollte. In dieser Sitzung schlug der
Parteivorstand vor, zwei Mitgliedern der Redaktionsmehrheit — Büttner
und Kaliski — zu kündigen, den für radikal bekannten Genossen
A. Fülle einzustellen, die Redaktionsmitarbeit Art. Stadthagens zu
erweitern und Rosa Luxemburg als feste Mitarbeiterin für wöchentlich
zwei Leitartikel anzustellen. Den zu kündigenden Redakteuren solle anderweitiger
Ersah geboten oder verschafft werden. Seitens der Preßkommission
ward diese Änderung für ungenügend erklärt. Es sollten außer Büttner,
dem die früher von ihm innegehabte Stelle als Korrektor anzubieten sei,
zwei der stärker am Konflikt beteiligten Mitgliedern der Mehrheit gekündigt
werden, und zwar schlug man hierfür Georg Gradnauer und Heinrich
Wetzker vor. Der Parteivorstand konnte sich dem nicht gleich anschließen,
und es kam daher an jenem Abend noch zu keinem bestimmten Beschluß.
Dem Wunsch der Redaktionsmehrheit, zu den Beratungen hinzugezogen
zu werden, ward nicht entsprochen, sondern beschlossen, so lange die Beratungen
auf die Mitglieder der Komitees zu beschränken, bis diese sich
über die Hauptpunkte der zu treffenden Änderungen einig geworden seien.
Dieser letztere Beschluß führte zu einem Konflikt, der alsbald in die
Öffentlichkeit getragen wurde. Ehe die Vorbesprechungen noch zu Ende
waren, erneuerte die Redaktionsmehrheit das Verlangen, daß man sie zu
den Besprechungen hinzuziehe, und auf den ablehnenden Bescheid erfolgte
ein gereizter schriftlicher Meinungsaustausch darüber, ob die Redakteure
statutengemäß zu diesem Verlangen berechtigt seien oder nicht. Während
er spielte, ward — am 20. Oktober — vom Parteivorstand und den
Berliner Komitees der Beschluß gefaßt, einfach der ganzen Vorwärtsredaktion
zu kiindigen, den Gekündigten anheimzustellen, sich um Wiederanstellung
zu bewerben, und dann unter den Bewerbern Auslese zu treffen.
Den sechs Redakteuren aber — die anderen vier hatten sich dem Verlangen
nicht angeschlossen — ward eröffnet, daß ein Rechtsanspruch, zu
den Beratungen der Komitees hinzugezogen zu werden, für sie nicht bestehe
und sie sich daher vorläufig zu bescheiden hätten. Zn der Erregung
über diesen Bescheid reichten sie am Abend des 21. Oktober kollektiv selbst
ihre Kündigung ein und machten diesen Schritt im politischen Teil der
am folgenden Tag — einen Sonntag — herauskommenden Nummer des
„Vorwärts" bekannt. Dies steigerte die gereizte Stimmung auf der Gegenseite,
und am 23. Oktober beschlossen Parteivorstand und Berliner
Komitees in einer Vollsitzung nach längerer Debatte mit allen gegen acht
Stimmen, die Kündigung kurzerhand zu akzeptieren. Nun folgende Auseinandersetzungen
im „Vorwärts" hatten das Resultat, daß der Parteivorstand
und die Preßkommission am Sonnabend, den 28. Oktober, abends.