Full text : David Ricardo und die Grenzwerttheorie

33

der  Grenznutzentheoretiker  durchgedacht  zu  werden,
denn  ihre  Theorie  beruht  vorwiegend  auf  dieser  Vor-  /
aussetzung  —  „hat  der  Wert  jedes  der  ausgetauschten
Dinge  keinen  anderen  Maßstab  zur  Messung  als  den
Wunsch  und  die  Mittel  der  Handelnden,  gegenseitig  balanciert, ­
  und  ist  festgesetzt  nur  durch  die  Übereinstimmung ­
  ihres  Willens  (par  l’accord  de  leur  volonte)“.
Über  den  Wert  überhaupt  sagt  er:  „Das  Wort
Wert  drückt  diese  relative  Güte  (Brauchbarkeit)  aus,
in  bezug  auf  unsere  Wünsche,  wodurch  die  Güter  und
Gaben  der  Natur  als  geeignet  für  unsere  Freude  und
für  die  Befriedigung  unserer  Wünsche  erachtet  werden“  ..
„Bevor  überhaupt  irgend  ein  Tausch  existiert,  ist  die
Seltenheit  eines  der  Elemente  der  Wertschätzung.“
Zehn  Jahre  später,  1776,  sprach  der  Philosoph  des
Sensualismus  und  einer  der  Väter  der  Psychologie,
Condillac,  die  lapidaren  und  trefflichen  Worte  aus,  die
man  auch  heutzutage  für  unsere  Wissenschaft  verwerten
kann;  indem  er  zuerst,  ähnlich  wie  Turgot,  als  wertbestimmende ­
  Elemente  die  Nützlichkeit  (Futilite)  und
die  Seltenheit  (la  rarete)  hervorgehoben  hat,  führt  er
folgendes  über  die  Subjektivität  der  Werte  aus:  „Es
ist  doch  vorwiegend  das  Urteil,  das  wir  von  den  Dingen
haben,  worauf  der  Wert  mehr  oder  weniger  begründet
ist“').  „Sobald  wir  für  eine  Sache  Bedürfnis  empfinden,
hat  sie  einen  Wert;  und  nur  durch  diesen  Umstand
erhält  sie  einen  Wert,  bevor  von  einem  Tausch  eine
Rede  ist.“  Und  noch  trefflicher,  aphoristischer:  „Unsere
Bedürfnisse  geben  den  Dingen  einen  Wert,  unser  Tausch
gibt  ihnen  einen  Preis“  (Nos  besoins  donnent  la  valeur,
nos  echanges  donnent  le  prix).

‘)  Etienne  Bonnot  de  Condillac,  Le  commerce  et  le  gouvernement
  consideres  l’un  a  l’autre,  Amsterdam  (1776),  ed.  Daire,  1844,
p.  252,  257.
K.

3
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.