o ' VUI. Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft
auf dem Gebiete des Straßenwessens, der Land- wie Wasgser-
straßen, zunächst bescheidener Natur. Eine namhaftere Tätig-
keit entfalten sie hier erst im 18. Jahrhundert!).
Bischof Friedrich Karl von Würzburg (172946) trieb eine
bemerkenswerte einheitliche Straßenpolitik. Er ließ alle Haupt-
straßen seines Territoriums, die sog. Kommerzialstraßen, her-
richten und zog das ganze Land, nicht bloß die an der: Strecke
liegenden Ortschaften, zu den Kosten des Straßenbaus heran.
Das Stift Würzburg erhielt so in der Tat ein treffliches Straßen-
net, wie es kein Nachbarstaat aufzuweisen hatte. Hiermit war
eine Vorausseßzung für eine ,Territorialwirtschaft" gegeben.
Freilich reicht sie nicht aus, um eine solche in die Wirklichkeit zu
seßen. Andererseits liefern die Verhältnisse des würzburgijchen
Territoriums einen deutlichen Beweis dafür, daß im 18. Jh.
von einer ,„Volkswirtschaft“ Deutschlands noch recht wenig
vorhanden war: gegenüber den Wünschen des Bischofs, in den
Nachbarterritorien einen bequemen Anschluß für die Haupt-
straßen seines Landes zu erhalten, zeigten die Nachbarn geringes
Entgegenkommen. So blieb auch der Plan, eine Chaussee vom
Main an die Donau zu bauen, unausgeführt?). Eine territoriale
Zolkpolitik betrieb derselbe Würzburger Bischos, fand aber da-
für die gleiche Verständnislosigkeit bei den Nachbarn, und so
zeigt die territoriale Zollpolitik jener Zeit wie die territoriale
Straßenpolitik, daß von einer deutschen Volkswirtschaft in jener
Zeit nicht die Rede ist, am wenigsten in dem territorial zer-
splitterten Süden und Westen Deutschlands.
Fürdie Belebung des kaufmännischen Verkehrs sind im Lauf
der Zeit die Posten?) von großartiger Bedeutung geworden.
1) Vgl. H. Z. 75, S. 440 Anm. 1; Roscher-Stieda, S. 455 Anm. s;
Koser, Friedrich der Große, Bd. 1, S. 440 ff.
2) K. Wild, Staat und Wirtschaft in den Bistümern Würzburg
und Bamberg (1906), S. 137 f.
3) Zur Literatur über ihre Einführung in Deutschland s. Al. Schulte
Bd. 1, S. 500 ff.; Ohmann, Die Anfänge des Postwesens und die
Taxis (1909); Vierteljahrsschr. f. Soz.- u. Wirtsch.-Gesch. 1911,
S. 270 ff.
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