28.
Der Binnengroßhandel.
Von Walther Basson, Mitglied der Geschäftsführung des Zentralverbandes des
Deutschen Großhandels.,
Bei den Ausschaltungsbestrebungen, die den Handel in den letzten
Jahren von allen Seiten bedrohen und angesichts der Vorwürfe, die dem
Großhandel — unberechtigterweise — wegen seiner „warenverteuernden‘
Wirkung gemacht werden, genügt es nicht allein, daß in der Presse
und in der Öffentlichkeit immer wieder Einspruch gegen solche haltlosen
Behauptungen erhoben wird, Vielmehr ist auch jede Gelegenheit
zu begrüßen, wo im Rahmen wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher
Abhandlungen auf Grund der historischen Entwicklung der Dinge dargetan
werden kann, daß der Großhandel überaus nützliche und — infolge
des Konkurrenzprinzips — preiswerte volkswirtschaftliche Arbeit
leistet. Bisher ist jedenfalls noch nicht der Nachweis erbracht worden,
daß irgendeine andere „Warenverteilungsinstitution‘ auf den eigentlichen
Arbeitsgebieten des Großhandels billiger, zweckmäßiger und
schneller arbeiten konnte als dieser. Die die gesamte Wirtschaft belastenden
Verteuerungsfaktoren der Stabilisierungsperiode 1924/25:
Steuern, Frachtkosten, Kreditzinsen, Risikoprämien (Delkredere),
soziale Abgaben usw., sind natürlich nicht auf das Konto des Großhandels
zu setzen, da er wahrlich nach den Inflations-Substanzverlusten
und nach den Perioden der Wegsteuerung des Kapitals schon schwer
genug unter der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse leidet, Die
nachstehenden Ausführungen sollen sowohl die historische als auch
die gegenwärtige Entwicklung zeigen, die: der deutsche Binnengroßhandel
genommen hat und in steter Variation und Anpassung weiter
nimmt, und den Beweis erbringen, daß es für die deutsche Wirtschaft
nützlicher wäre, wenn der Großhandel — statt Tadel und Widerständen
— für seine Arbeit Anerkennung, Förderung und Unterstützung
gerade in diesen krisenhaften Zeiten erführe,
Schon an anderer Stelle der vorliegenden Aufsatzreihe ist darauf
hingewiesen worden, daß die Trennung zwischen Binnengroßhandel,
Import- und Exporthandel nicht immer mit voller Klarheit und Schärfe
durchführbar ist, da die Grenzfälle, wo der Binnengroßhandel gleich-