— 302 -
ernährurig zur Verfügung gestellt werden. Deshalb ersuchen wir
nochmals dringend, die Rationierung unserem Antrage ent
sprechend vorzunehmen und Hinaufschraubung des Kartoffel
preises zu verbieten.
In der Erwartung, daß unserem Ersuchen baldigst stattge
geben wird, zeichnen
mit hochachtungsvollem Glückauf!
(Folgen Unterschriften der vier Bergarbeiterverbände.)
Eingabe um Abgabe von Petroleum.
An das Kriegsamt (Abteilung für Beleuchtungswesen)
Berlin W.
Durch die herrschende Petroleumknappheit werden die Berg
arbeiter urrd ihre Familien ganz besonders in Mitleidenschaft
gezogen- sie können mit der kleinen Menge Petroleum, die
heute geliefert wird, nicht auskommen. Der Bergmann, der
Morgenschicht hat, mutz in aller Frühe seine Wohnung verlassen,
von der Mittagsschicht kehrt er abends spät nach Hause zurück.
Es kommt daher für den Bergmann außer der gewöhnlichen Be
leuchtungszeit noch eine weitere Zeit in Betracht, in der die
Lampe brennen muß.
Hierzu kommt noch, daß die Bergmannssrau, besonders die
jenige mit vielen Kindern, tagsüber die Hände voll Arbeit hat,
um die täglichen Hausarbeiten zu verrichten. Die Zeit aber,
wo die Kinder zu Bett sind, und das ist abends oder früh morgens,
wenn der Mann zur Zeche gegangen ist, muß die Frau nähen,
flicken und stopfen, zumal an Neuanschaffungen bei der gewal
tigen Teuerung nicht zu denken ist. Hierbei kann wiederum die
Lampe nicht entbehrt werden.
Weiter haben die Kinder bei den langen Winterabenden
Licht für ihre Schularbeiten nötig. Es sind uns Fälle bekannt,
wo sich wegen des Petrbleummangels Kinder des Abends mit
ihrer Schultafel vor die offene Ofentür gekniet haben, um bei
dem Lichtschein des Feuers ihre Schularbeiten zu machen. An
eine ordnungsgemäße Erledigung derselben kann hierbei doch
nicht gedacht werden, ganz abgesehen von der großen Schädigung
der Augen für solche Kinder.
Ans diese',! Gründen bitten tvir dringend, dafür Sorge
tragen zu wollen, daß die Bcrgarbeitersamilien, die auf Pctro-
leumbeleuchtung angewiesen sind, vorzugsweise mit Petroleum
beliefert werden und ihnen eine größere Menge als bisher zur
Verfügung gestellt wird.