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lenversorgung bis jetzt übergangen wurden, soweit sie nicht dein
Verein der Reichstreuen angehören. Dieser Verein, der sich der
besonderen Fürsorge der Gewerkschaft erfreue, habe seinen Mit
gliedern Kohlen geliefert, während die Bergarbeiter, die die
Kohlen durch Händler zu beziehen wünschten, welche ihnen auch
früher den Brennstoff lieferten, bis heute vergeblich darauf
warten, das jetzt so unentbehrliche Brennmaterial zu erhalten.
Wer sich bei der Gewerkschaft in die Liste zum Bezüge der
Kohlen eintragen ließ und sich durch Vorzeigung seiner Legitima
tion als Mitglied des reichstreuen Vereins auswies, erhielt seine
ihm zustehende Kohlenmenge, während die anderen Bergarbeiter
zum größten Teile bis jetzt vergebens darauf warten. Die
Händler erklären, daß sie nicht mit genügenden Kohlenmengen
versehen werden. Auch der Preis der Kohle, wenn einmal ein
kleines Quantum ankommt, ist bei dem Händler höher. Die
Mitglieder des reichstreuen Vereins werden also nicht nur be
vorzugt durch schnelle Lieferung von seiten der Gewerkschaft,
sondern zahlen auch einen niedrigeren Preis als beim Händler.
Es wird von den Bergarbeitern mit Recht betont, daß man
ihnen den Brennstoff verteuere durch zu späte Lieferung. Beamte
der Gewerkschaft hätten sehr große Mengen durch Fürsorge der
Mansfelder Gewerkschaft schon längst eingekellert, manche davon
sogar 100 Zentner. Der Preis für einen Zentner habe für die
Beamten 90 Pf. betragen, während die Bergarbeiter, die nicht
im reichstreuen Verein sind, also nicht in der Lieferliste der
Gewerkschaft eingetragen wurden, beim Händler das Doppelte
und mehr bezahlen müßten.
Die Bevorzugung einzelner Teile der Bevölkerung in der
Kohlenversorgung ist sicherlich zu verwerfen, und ersuchen wir
Ew. Hochwohlgeboren ganz ergebenst, dahin Abhilfe zu schaffen,
daß die Händler, bei denen Bergarbeiter ihre Kohlen bestellten,
das nötige Quantum geliefert bekommen, um die Bergarbeiter
mit dem nötigen Brennstoff versehen zu können. Schon heute gibt
es eine Anzahl von Bergarbeitern, bei denen ein derartiger Man
gel an Brennstoff besteht, daß sie und ihre Familien sich in kalten
Räumen aufhalten müssen, um nur das nötige Brennmaterial
zur Herstellung der Mahlzeiten zu haben. Wenn diesem Uebel
stand nicht bald abgeholfen wird, so naht sehr schnell die Zeit,
wo auch diese kleine Reserve verbraucht ist und der Bergarbeiter
bei seiner schweren Arbeit ohne warmen Morgentrunk zur Arbeit
muß. Was dieses bei der heutigen, so wie so schon knappen Er
nährungsweise zu bedeuten hat, brauchen wir hier wohl nicht erst
anzuführen.
Die Erbitterung über die Bevorzugung eines Teiles der Be
legschaft ist schon eine sehr starke und tut es not, hier Abhilfe
zu schaffen. Der kalte Wohnranm, am Ende auch noch der Man
gel eines warmen Morgentrunks, führen zu Erkrankungen und