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bureaukratisches Eingreifen. gewisser Behörden auf deni Lande
den nur an den Sonntagen zu Hause weilenden Bergleuten sogar
»och diese Freizeiten durch ^nutzlose Laufereien und Besorgungen
genommen werden. Die Saarbergleute wenden sich vor allen
Dingen
gegen die niedrigen Löhne,
nicht nur, weil die Teuerung Familien mit niedrigem Einkom
men zum Hungern und zur unerträglichen Entbehrung ver
dammt, sondern weil die niedrigen Löhne auch ein Unrecht be
deuten. Die Lohnunterschiede betragen im Saarbergbau bei den
Hauern 5 und 6 und mehr Mark, es gibt, wenn nicht viele, so
doch Bergarbeiter, die fast den doppelten Lohn verdienen, wie
ihre Mitkameraden gleichen Berufsgrades, Dabei haben, wie
jeder Berufsbergmann weist, oft die Männer um den geringeren
Lohn sich mehr abgemüht, als diejenigen, denen glückliche Ver
hältnisse zur Seite standen und die hohe Löhne verdienten. Auf
Gruben in den Nachbargebieten des Saarreviers, z. B. die
Pfälzischen, sind die Hauerlohnunterschiede aufs äusterste einge
schränkt, sie bürsten in St. Ingbert und Verbuch kaum 2 Mark
betragen. Warum soll das im Saargebiet nicht möglich sein,
warum soll es keinen Weg geben, der dem pfälzischen niedrigen
Lohnunterschied nahekommt? Leiden könnte doch höchstens das
System, daß Gedinge vielfach nach Gunst und Ungunst verteilt
werden, worüber die Klagen der Bergarbeiter auch nicht auf
hören. Und schließlich liegt es im Interesse des Bergfiskus-
ivie auch im Interesse anderer Unternehmer selbst, daß di'e Quelle
des ständigen Unfriedens in der Arbeiterschaft, das sind nicht
allein die großen Lohnunterschiede, das sind vor allen Dingen
die niedrigen Löhne, endlich verstopft wird und die Arbeiter ihrer
Arbeit und ihres Lebens froh werden. Dazu gehört dann noch
die Beseitigung der im Saargcbict grassierenden
Scheingcdinge.
Ee schwächt die frohe Arbeit, die Aussicht, nicht zu wissen, was-
verdient wird. So geht es einem großen Teile der Gedingear
beiter, die vielfach erst in den letzten Tagen des Monats erfahren,,
was sie ungefähr, bestimmt wissen sie es immer noch nicht, ver
dienen. und die auch hier sich der Gunst und Ungunst ihrer Vor
gesetzten überlassen sehen. Schließlich fordern die Bergleute die
Erhöhung der Schichtlöhne unter und über Tage
Erhöhung auch der Löhne für Frauen und jugendliche Arbeiter.
Wie häufig finden sich Frauen, die durch ihre Erwerbsarbeit,
wenn der Mann im Felde oder verstorben ist, gezwungen sind,
sich und eine Anzahl Kinder zusammen zu ernähren. Da heißt
es auch bei den ineisten Frauen im Saargebiet: Arbeiten und
hungern! Ueber Tage werden ausgelernte Handwerkm (Be
rufshandwerker) oft nicht besser bezahlt, wie ungelernte Lchicht-