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Fast noch mehr ist dieses aber bei seiner Bekämpfung der Bekämpfung
Ricardoschen und Malthusschen Lehre zu beobachten. Gegen der Grundlie
Ricardosche Grundrentenlehre wendet er ein, daß nach seinen Tente.
Beobachtungen in Amerika die Ansiedelung und der landwirtschaftiche
Betrieb sich ganz anders entwickeln, als Ricardo es annimmt,
der in England eine höhere Kulturstufe zum Ausgangspunkt seiner
Betrachtungen nimmt. Die Pioniere, welche sich in unkultivierten
Gegenden vereinzelt niederlassen, wenden sich den höher gelegenen
Grundstücken mit leichterem Boden zu, den sie allein zu bewältigen
vermögen. HErst wenn die Zahl der Ansiedler wächst, die sich zu gemeinsamer
Thätigkeit vereinigen können, sind sie im stande, fruchtbarere
Niederungsgegenden in Angriff zu nehmen, um Entwässerungen,
Eindämmungen der Flüsse und Bäche durchzuführen, und erst, wenn
ihnen bessere Maschinen und Hilfskräfte zur Verfügung stehen, vermögen
sie die großen Baumriesen zu bewältigen, die auf dem besten
Boden stehen und diesen erfolgreich gegen die ersten Ansiedler
verteidigen, Dieser bessere Niederungsboden belohnt dann aber jeden
Aufwand von Arbeit reichlicher, als der ursprünglich occupierte. Die
ersten Ansiedler leben unter den dürftigsten Verhältnissen. Mit der
größten Anstrengung können sie nur dürftig ihr Leben fristen; erst
allmählich wird auf dem erwähnten Wege ihre Arbeit reichlicher belohnt.
Die Erträge wachsen, nehmen aber nicht ab, wie Ricardı
voraussetzt.
Mit der gleichen Argumentation wendet er sich gegen Malthus.
Die Zunahme der Bevölkerung erschwert dem Einzelnen nicht die
Existenz, sondern erleichtert sie ihm. Der isoliert lebende Mensch
vermag die Natur nicht zu bewältigen, er ist von ihr abhängig und
gerät leicht in Not; erst wenn eine größere Zahl von Menschen bei-3ammenwohnt,
können sie sich durch Association unterstützen, Kommunikationsmittel
schaffen und geistigen Austausch bewirken; erst bei
stärkerer Bevölkerung wird höhere Kultur möglich. Größerer Wohlstand,
behagliches Leben sind im Osten der Vereinigten Staaten zu
finden, Armut und Not im dünnbevölkerten Westen, Große Strecken
Landes sind in den verschiedensten Weltteilen disponibel für die nur
erwünschte Volkszunahme. Er stellt außerdem die durchaus unerwiesene
Behauptung auf, daß die Entwickelung und Anspannung der
geistigen Kräfte die Reproduktionskraft vermindern. Der Malthussche
Pessimismus ist seiner Ansicht nach gegenstandslos.
Wer wollte leugnen, daß diese Ausführungen den thatsächlichen
Verhältnissen entnommen wurden und in hohem Maße beachtenswert
sind. Sie beweisen unzweifelhaft, daß der Ricardo-Malthussche
Pessimismus nicht allgemeine Berechtigung hat. Aber ebenso klar ist
a8, daß auch Carey in der Generalisierung seiner Beobachtungen zu
weit geht, daß auch sie nur für bestimmte Verhältnisse in der Entwickelung
eines neuen Landes zutreffend sind, während in den alten
Kulturländern mit mehr geschraubten Verhältnissen die Malthus-Ricardosche
Auffassung recht behält.
Es ergiebt sich, daß wir es überall in dem bisher HErörterten
nicht mit allgemeinen Naturgesetzen zu thun haben, sondern nur mit
Regeln, die unter ganz bestimmten Verhältnissen Platz greifen. Wir
haben es nicht mit allgemein gültigen Wahrheiten zu thun, sondern
nur mit Erfahrungen auf beschränktem Gebiete, die darum aber doch
Z3onrad, Grundrifs der polit. Oekonomie. I. Teil. 4. Aufl. 22
Gegner des
Malthus.
Krltik.