Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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welche die inländischen Manufakturen gehoben werden könnten. Er 
kritisiert darin das Adam Smithsche System des Freihandels, 
hält es nur für durchführbar, wenn alle Staaten es acceptieren, 
and da er durch Fabriken den Wohlstand des Landes schneller 
zu fördern meint als durch die Landwirtschaft, so spricht er sich 
für ein Schutzzollsystem für die Vereinigten Staaten aus, um die 
Entwickelung der Industrie zu begünstigen. Zu einem ähnlichen Er- 
zebnis kommt in den späteren Jahren der nun zu behandelnde Carey, 
während er ursprünglich auf dem Boden des Freihandels stand. Er 
weicht darin völlig von Bastiat ab, der absolut konsequent vorging, 
was Carey nicht nachgerühmt werden kann. 
In den Anschauungen vielfach Bastiat außerordentlich verwandt 
ist der Amerikaner Carey, der sogar, wie wir glauben mit Unrecht, 
Bastiat des Plagiats beschuldigte. Er gewinnt für uns ein be- 
sonderes Interesse dadurch, daß seine Anschauungen auf völlig anderem 
Boden erwachsen sind, und er zeigt, wie die bisherigen nationalökono- 
mischen Lehrbücher doch in der Hauptsache nichts anderes gewesen 
sind als die Ergebnisse der Studien auf gegebenem Terrain und unter 
beschränkten Verhältnissen, und daß das Streben, Lehrsätze von 
dauernder allgemeiner Gültigkeit aufzustellen, bis dahin nicht erfolg: 
reich gewesen ist. ; 
Carey war 1793 in Philadelphia als Sohn eines irischen Buch- 
händlers geboren. Er wurde selbst Buchhändler und schon mit 12 
Jahren in das Geschäft des Vaters eingereiht. Durch seinen prak- 
tischen Sinn und große Umsicht gelang es ihm früh ein erhebliches 
Vermögen zu erwerben und sich dann hauptsächlich seinen Studien 
und schriftstellerischer Thätigkeit widmen zu können. Er starb in 
hohem Alter 1879 in seiner Vaterstadt. Die Zahl seiner Schriften ist 
außerordentlich groß. Hauptsächlich kommt in Betracht sein zu- 
zammenfassendes Werk späterer Zeit „principles of social science“, 
3 Bde. 1858—59, Da er im Laufe der Zeit seine Anschauungen 
aicht unbedeutend geändert hat, so kann man ihm nur gerecht werden, 
wenn man die späteren Schriften zum Ausgangspunkt nimmt. Auch 
in deutscher Uebersetzung sind eine Anzahl Schriften erschienen. Am 
bekanntesten ist die Uebersetzung von Adler, Handbuch der Sozial- 
wissenschaft. München 1866. Für die Verbreitung seiner Lehre in 
Deutschland hat besonders Dühring gewirkt, der mit sehr einseitiger 
Deberschätzung für ihn in verschiedenen Schriften eingetreten ist. 
Der Ausgangspunkt der Careyschen Lehre ist, daß der National- vojksreich- 
zeichtum nicht nach dem Tauschwerte, sondern allein nach den tum u. Wert 
Nutzbarkeiten des Lebens gemessen werden könne, die der Bevölke- bei Carev. 
zung zur Verfügung stehen. Zwischen Gebrauchs- und Tauschwert 
bestehe ein bestimmter Gegensatz, den die Adam Smithsche Schule 
nicht erkannt habe. Mit jedem Fortschritt der Kultur werden mehr 
Nutzbarkeiten geschaffen und wird damit der Volkswohlstand gehoben, 
während diese Nutzbarkeiten einen immer geringeren Tauschwert 
3aben und dadurch der Gesamtheit leichter zugänglich sind. Werden 
durch neue Maschinen die Herstellungskosten der gewöhnlichen Ge- 
brauchsgegenstände verbilligt, so ermäßigt sich der Preis derselben, 
die Gesamtheit aber hat davon einen erheblichen Nutzen, die Bevölke- 
rung steht sich besser dadurch. Auf diese Verschiebung des Ge- 
brauchs- und Tauschwertes durch jeden Fortschritt der Kultur be- 
yründet er seine ontimistische Auffassung, daß auch die Lage der
	        
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