Kirche und Reich in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts. 298
Richtung mit einer Art jovialer Offenheit; äußert sich doch eine
seiner Urkunden für die Abtei Fulda dahin, es thäte Not, daß
die Kirchen viel Gut besäßen: denn wem viel gegeben ist, dem
kann viel genommen werden. Demgemäß hatte Heinrich schon in
Baiern als Herzog den Klöstern strengeres Leben vorgeschrieben
und ihre volle Abhängigkeit gegenüber der Landesgewalt be—
gründet. Ähnlich verfuhr er als König mit den großen Reichs—
abteien, mit Hersfeld, Reichenau, Fulda, Korvey; doch hielt
er es auch für keinen Raub, die kleinen Klöster zu schröpfen.
Bisweilen schlug er in einfachem Gewaltakt einen Teil des
Klostergutes zum Fiskus; wo er zuvorkommender war, wartete
er einen Abtswechsel ab, ernannte einen ihm als reformfreund—
lich bekannten Mann zum Nachfolger des verstorbenen Abtes,
freute sich, wenn dieser die üppigen Mönche knapp hielt, und
war noch zufriedener, wenn ein Teil der Insassen entwich, also
daß er den durch ihr Weglaufen überflüssig gewordenen Teil
der Einnahmen dem Reichssäckel zuweisen konnte. Im Jahre
1023 entzog er z. B. der Abtei St. Marimin bei Trier
6656 Hufen und befreite sie dafür von Heer- und Hoffahrt.
Wollte er Geistliches und Weltliches gänzlich von einander
trennen, zum Heile beider? Jedenfalls lief diesen Maßregeln
meistens eine geistliche Reform des Klosters zur Seite: denn
auf eine Stärkung christlicher Interessen kam alles heraus, was
Heinrich in kirchlichem Sinne unternahm.
Keine That Heinrichs spricht hierfür lauter, als die Be—
gründung des Bistums Bamberg. Zwar war es fast zur
Gewohnheit geworden, daß jeder deutsche König ein Bistum
stiftete; Otto der Große hatte die Elbdiözesen hergestellt, unter
die Regierung Ottos II. fällt die Ausstattung von Prag, unter
jene Ottos III. die von Gnesen, und die Salier haben später—
hin wenigstens das arme Bistum Speier bis zu voller Lebens—
fähigkeit bereichert. Doch Heinrich II. war seine Stiftung in
besonderem Grade Herzenssache, ohne daß er doch damit den
Weg nationaler Politik verlassen hätte. Da, wo die Slawen
sich ohne viel Aufsehens weit ins deutsche Land vorgeschoben
hatten, in den oberen Maingegenden, in Anlehnung an die