Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 739 
im Jahre 1740 wurde er durch die Initiative Frankreichs er— 
zffnet, und fast ein Jahrzehnt hindurch hat er die äußeren 
Schicksale der europäischen Staaten aufs entscheidendste mit 
heeinflußt. 
Im diesem Kampfe aber war die Stellung Hsterreichs 
schon durch seinen Gegensatz zu Preußen, das hannover—⸗ 
feindliche, gegeben: es stand zu England. Und dies wiederum 
war wenn nicht der einzige, so doch der tiefste Grund, der 
Frankreich schon seit 1735, trotz aller äußeren Freundschafts— 
versicherungen, in ein ÄÖsterreich feindliches Fahrwasser ge⸗ 
trieben hatte. 
Konnte es nun unter diesen Umständen für den Unter⸗ 
richteten wirklich auffällig sein, daß der Kardinal Fleury am 
7. März 1741 erklärte, Frankreich könne der Ausführung der 
Pragmatischen Sanktion nicht zustimmen, weil dadurch Rechte 
Dritter verletzt würden? 
Der hauptsächlichste Träger dieser Rechte Dritter aber 
war für Frankreich Bayern. Und so trat es für dessen Kur⸗ 
fürsten ein; um ihn entschieden zu fördern, betrieb es 
aufs lebhafteste seine Wahl auch zum römischen Kaiser; und 
um Hsterreich womöglich zu zerstückeln, suchte es zugleich mit 
König Friedrich von Preußen, dem Eroberer Schlesiens seither, 
in die unmittelbare Fühlung eines Bündnisses zu gelangen. 
Von diesen Schritten hatte zunächst der letzte am 
4. Juni 1741 Erfolg: Friedrich versprach die brandenburgische 
Stimme bei der Kaiserwahl an erster Stelle für Bayern ab⸗— 
zugeben, wogegen Ludwig XV. sich zur kraftvollen Unter⸗ 
ftützung Bayerns im Kampfe gegen Ästerreich verpflichtete; 
—DD 
Juͤlich-Berg von Frankreich die Garantie des ungestörten Be⸗ 
sitzes Niederschlesiens. 
Da war denn vom allgemeinen Standpunkte aus betrachtet 
kein Zweifel mehr, was dies alles bedeutete: Krieg einer 
franzosisch-bayrisch-preußischen Koalition gegen Osterreich. Und 
schon im August 1741 marschierten die ersten französischen 
Regimenter über den Rhein: der Vortrab einer ersten fran—
	        
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