Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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zleichen Namens. Mit Mendelssohn erscheint der jüdisch— 
deutsche Genius auf musikalischem Gebiete zum ersten Male 
aicht bloß ausübend, sondern auch schaffend. Und er offenbart 
alsbald sein Charakteristikum: die Virtuosität des Vereinigens 
von Eignem und Fremdem, die ungemeine Kraft der Rezeption 
bon Erziehungs- und Zeitmomenten neben biegsamer persön—⸗ 
licher Zutat. Musikalisch höchst sorgsam gebildet, wurzelte 
Mendelssohn in der Tradition der Klassiker, wenn er auch 
ohne den Vorhergang Webers nicht zu denken ist. Historisch 
und ästhetisch auf der Höhe der Zeit, brachte er die alte Musik, 
vor allem Bach, wieder praktisch zu Ehren und überschritt, 
war dies romantisch, doch niemals mit romantischen Exzessen 
die Grenze des guten Geschmackes. Dazu kam ein eigenes, 
— 
äußerte und siegreich durch die Bewunderung der nächsten Um— 
gebung hindurchwuchs. Und aus alledem ging eine Mischung 
hervor, welche die Zeit begeisterte, ohne sie doch meisternd zu 
überwinden. 
Am stärksten und weitesten bewundert wurden wohl des 
Meisters „Lieder ohne Worte“. Die Form war nicht völlig 
neu, wohl aber der Titel; inhaltlich brachten sie jedenfalls 
auch eine Verfeinerung des Liedes, trieben sie die Phantasie des 
Hörers, der zum Ton des Klaviers den Gesang, ja das Wort 
zu ergänzen hatte, in einen höheren Bereich. Und selbst die— 
jenigen dieser Lieder, die so Eigenartiges nicht leisteten, waren 
doch Malereien in entzückendem Pastell. Die Gabe, pittoresk 
zu wirken, zeigten vor allem einige Symphonien, so die früh 
entstandene schottische vom Jahre 1829, auch die italienische, 
obwohl hier die Fähigkeit, den schärferen Auftakt südlichen 
Volkslebens und südlicher Landschaft zu schildern, schon ver— 
sagt. Noch mehr ist das in der Musik zur Antigone und 
zum dipus auf Kolonos wie zur Athalia Racines der 
Fall; das Heroische lag jenseits der Grenzen jenes geschmackvoll 
abgezirkelten Schönheitssinnes des Meisters, dem Beethovens 
machtvolle Musik mit ihren schweren Akzenten kein „Pläsier“ 
var. Darnach ist es denn auch ohne weiteres verständlich, daß
	        
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