23. Titel: Vorlegung von Sachen. 88 809, 810. 1539
itreits hingegen feßt die Borlegungspfliht einen gerichtliden Beweisbefchluß im Sinne
des 425 B3BDO. voraus.
„4. Ueber Anfpruch auf Urkundenvorlegung im Prozeffe f. allgemein S 422 RO.
gegenüber den Gegner und S 429 ZRO. dem Dritten gegenüber. Begrifflich find die
jelbftändige auf materiellem NRechte berubende Vorlegungsklage und die Im Rahmen des
Prozefies geforderte prozeffunle Borleagung verlchieden. Val. näher Siegel a. a. D.
S, 111 ff, 117, 195, zuftimmend au Dertmann Bem. 6.
‚5, Erben fönnen von demjenigen Miterben, in defjen Bezirke ich der Nachlaß
befindet, Borlegung der Schuldurkunden verlangen, welde über die zum Nachlaffe ge=
Hörigen Forderungen Auffchluß geben, f. Ripr. d. DLS. (Bamberg) Bo. 2 S. 134.
N 6. Der AnfprudH aus $ 810 verfolgt nur den Zwed der Högitperfönlidhen
EA des BorlegungsfucherS, dient aber nicht dazu, anderen Perfonen einen
Beweis zu liefern. Vogl. Siegel, die Vorlegung von Urkunden im Prozeß S. 21 ff.
Der AnfprucH aus S 810 feßt voraus, daß derjenige, der die Einficht verlangt,
nad) dem Inhalte der Urkunde felbft an ih Deteiligt Hit. €3 kann daher auch bet
Jdebermweifung einer Zorderung zur Einziehung der Gläubiger. vom Dritt-
JO uldner die Borlage der Urkunden über da3Z zugrunde liegende Recht8verhältnis
veder auf Grund des S& 810 BGB. noch des S 952 BGB. verlangen, |. OLG. Hamburg,
Seuff. Arch. Bd. 61 S, 420 und KRipr. d. OLG. (Karl8ruhe) Bd. 14 S. 185.
{X. Borausjegungen des An]pruchs,
„A. Der die Einfiht Verlangende muß ein „rehHtlidhes Yntereffe“ an der
Einfichtnahne haben, €8 gebt zu Weit, darunter jedes von der Rechtsordnung al8
ihugmwürdig anerkannte Zuterefje zu verftehen. Wie Siegel a. a. DO. S. 66 nıit Recht
uursführt (zuftimmend auch DYVertmann Bem. 2, a), fteht dieleS8 rechtliche Interelfe nur
demjenigen zu, der des GegenftandeS bedarf zur Förderung, Erhaltung oder Bertetdigung
jeiner rechtlidhen (rechtlich gefiübten) Berhältniffe. Nicht notwendig ijt, daß eS fich
gerabe um ein derartiges BermögenSinteretfe handle, auch 3. DB. ein familienrecht-
‚ichesS ae fanız unter den Begriff fallen. Val. au ROES. Bd. 49 S. 384.
Irfunden, die ausfchließlidH imeigenen Intereffe des Inhaber8 er-
richtet find, brauchen nicht vorgelegt zu werden, val. hierüber NGE. in Seuff. Urch.
Bd. 49 Nr. 214.
2, € muß fi um Urkunden jener Art Handeln, welde das SGefeß in S 810
genau begrenzt. Im Rahmen des 8 810 kommt im allgemeinen nur die fOriftliche
Urkunde in Betracht, vol. KON Komm. Bem. 1.
a) Die aufgeführten Modifikationen find an ih nicht beifpielSmweife gewählt,
jondern wollen prinzipiell aufgefaßt werben (3. II, 774, 775). Die Praxis
Toll jedoch nicht hebindert fein, das in der VBorfcheift erkennbare Prinzip,
wenn nötig, analog anzuwenden (VB. a. a. O.). Diefes Grundprinzip beruht
aber darin, daß der Berechtigte nah dem Inhalte der Urkunde bei diejer
beteiligt erfdheint (vgl. auch Kfpr. d. DLG. [Polen] Bd. 4 S. 52).
Sm übrigen gilt als Urkunde alles, wa3 eine Gedankenäußerung oder
Ytiederlegung von Tatfachen enthält: Dokumente, Pläne, VBerzeichniffe, Notizen,
Briefe, Tagebücher, überhaupt Mapiere, auch gewifje Filder, VPohotograpbien,
Rhonogramme 2c. Alle diefe Objekte fallen hinfichtlihH ihres Inhalts
nicht unter $ 809, fondern & 810. Val. Giesker a. a. D.. S. 76.
Die Editionspflicht HinfichtlihH Urkunden erleidet jedoch zugunften der
Geheimiphäre des Individualberechtigten (der nicht notwendig mit dem
Befiber der Urkunde identifh ift) Nu3nahmen, fo dei Selb {taufzeich-
zungen (Tagebücher) und vertrauliden Schhriftftüden (Ge|/häfts-
papieren). Vgl. au KOES. Bd. 69 S. 401 (Vorenthaltung gewiffer Teile
bei Briefen). Diefe Ausnahme fällt aber unter Unftänden weg bei Gejdhäft3=-
büchern und Gejchäftsbriefen nach Maßgabe der SS 45—47 GHSOB3. Val.
hiezu Gie8fer a. a. ©. S. 78 ff. bi8 81, {owie au Siegel, Die Borleaung
von Urkunden im Prozeß S. 56—59, , . .
. Mus der Praxis vol. wegen der Auffchreibungen eines Gewerbevereins
für eine Ausftellung bayr. Oberit, LS. Recht 1904 S, 552 unten in Bem. VII,
d) Außerdem muß die nach S 810 vorlegungSpflichtige Urkunde ftet3 einen
rechtägefhäftliden Charakter tragen, vol. Siegel a. a. Y. S., 18—20.
8) Sn einzelnen find diefe alternativ gejtellten Bejonderheiten (bal. hiezu
die Komm. zu 8 387 ZRO. &. F. und die IJudiklatur hiezu):
z) Die Urkunde muß im eigenen Intereffe des Antragenden
errichtet morden jet. Nicht notwendig ift alfo, daß die Urkunde im
Interefie beider Teile errichtet wurde, fondern eS genügt, wenn fie
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