íiG IV. Die socialen Nothstände u. die Şoc.-Demokratie.
nicht weit her, dann ist die übertreibende Schilderung der
den Arbeitern drohenden Gefahr frivol. Hat's aber
mit dem Hungertyphus seine Richtigkeit, dann ist die Einladung
zu: „Jeden Sonntag Ball" nicht welliger frivol.
Der durch alle Nummern des „N. Social-Demokrat" hindurch
gehende Kontrast zwischen dem Inhalt des redaktionellen
Theils und deut Annoncentheil stellt für jeden Denkenden
die Agitation der Social-Demokratie, wie sie in der
Presse getrieben wird, in das rechte Licht. Dort die übertreibende
Schilderung des Arbeiterelendes und hier die sorgfältige
Pflege der Genußsucht. Beide Wege, von denen der
eine den anderen naturgemäß ausschließen sollte, wandelt die
social-demokratische Agitation zit gleicher Zeit, um desto
sicherer ihren Zweck zu erreichen, die Arbeiter ill Masse unl
die Fahne F. Lassalle's zu schaaren.
Auch einzelne Nothstände des Auslandes werden zu
übertreibenden Schilderungen des Elendck verwerthet. So
berichtet der „N. Social-Demokrat" (1874, 103) über „gräß
liches Arbeiterelend" in London, und erzählt: „Der Parla -
„mentsbericht über Verhungerungsfälle sammelt die officiellen
„Mittheilungen der Leichenbeschauer. Nicht weniger als 106
„Menschen sind danach im vorigen Jahre in London vor
„Hunger gestorben." Gewiß eine hohe Zahl und ein trauriges
Faktum, das uns einen Einblick in die Verhältnisse
der englischen Riesenstadt gibt. Aber die 106 Verhungerten
bem Arbeiterstand zuzuzählen, und sie kurzweg unter „gräßliches
Arbeiterelend" zu rubriciren, das erlaubt sich der „N.
Social-Demokrat" lediglich, um seinen Satz von der „nahrungslosen
Lohnarbeit" zu illustriren, ohne hierzu auch nur
den geringsten Anhaltspunkt zu haben. Es ist eine rem
willkürliche Annahme, die Verhungerten als Arbeiter gelten
zu lasten, während es höchst wahrscheinlich ist, daß nicht