Full text : Schutz dem Arbeiter!

Ill

Bereits  vor  Erlaß  des  Zehnstunden-Gesetzes  hatten  einzelne  für
das  Gesetz  agitirende  Fabricanten  in  ihren  Fabriken  Versuche  angestellt,
um  die  angeführte  Behauptung  Senior's  zu  prüfen.  Schon  hier  zeigte
daß  die  Frage  nicht  die  arithmetische  ist:  wenn  zwölf  Stunden  x
produciren,  wie  viel  produciren  zehn?  Es  fand  sich,  daß  die  Leistungen
!"  den  letzten  zwei  Stunden  so  gering  waren,  daß  bei  der  versuchsweisen ­
  Reduction  der  Arbeitszeit  von  zwölf  auf  zehn  Stunden  der
Ertrag  statt  Vc  nur  1 /i2  geringer  war  wie  vorher.  Dabei  fand  sich,
d^ß  gerade  in  den  letzten  zwei  Stunden  viel  Material  durch  die  unaufmerksamen, ­
  ermüdeten  Arbeiter  ruinirt  wurde.  Als  dann  aber  das
şinstunden-Gesetz  trotz  allen  Widerstandes  der  Manchesterschule  wirklich
fassen  wurde,  zeigte  sich  allgemein,  wie  Ernst  v.  Plen  er  in  seiner
Schrift  über  die  Fabrik-Gesetzgebung  sagt,  „daß  die  bloße  Ausdehnung
, ec  Arbeitszeit  eines  Arbeiters  nicht  gleichbedeutend  mit  der  Vermehrung
^inec  Leistungsfähigkeit  sei;  die  Arbeiter,  namentlich  die  jüngern,  welche
Ulcht  mehr  durch  die  übergroße  körperliche  Anstrengung  ermüdet  waren,
şiellten  in  der  kürzern  Zeit  dasselbe  und  häufig  sogar  ein  größeres
şivd  u  cten-Quantum  her,  wozu  sie  wegen  der  fast  allgemeinen  Form
des  Stücklohnes  ein  besonderes  Interesse  hatten,  und  allmälig  gaben
^lbst  die  Unternehmer  zu,  daß  die  früher  für  unentbehrlich  gehaltenen
^ten  zwei  Stunden  gewöhnlich  weit  schlechtere  Arbeit  als  die  ihnen
"^ausgehenden  Arbeitsstunden  lieferten,  und  daß  die  ununterbrochene
^gelmäßige  Arbeit  des  neuen  Arbeitstages  wegen  des  intensiven  Fleißes
er  Arbeiter,  welche  nicht  mehr  die  ersten  Stunden  des  Tages  müßig
Zubringen,  für  die  Unternehmung  vortheilhafter  sei,  als  der
ìĢherige  lange  Arbeitstag  mit  abwechselnder  Ueberarbeit  und  Lässigkeit."
Da  auf  diese  Weise  das  erste  Uebel,  welches  die  Manchesterschule
"şê  Folge  des  Erlasses  eines  Zehnstunden-Gesetzes  vorhergesagt  hatte,
^Verminderung  der  Production,  nicht  eintraf,  konnten  auch  die  weitern
>chliinmen  Prophezeiungen  derselben  nicht  eintreffen.  Statt  dessen  traf
ein  Vortheil  ein,  den  die  Vertheidiger  der  Zehnstundenbill  vorausgesagt
^ten,  die  Hebung  der  physischen,  moralischen  und  intellectnellen
in  Folge  hiervon  auch  der  industriellen  Tüchtigkeit  der  Arbeiter.
.  "k  so  sehr  war  dies  der  Fall,  daß  bei  der  weitern  Fortbildung
^  Fabrik-Gesetzgebung,  bei  ihrer  Ausdehnung  auf  alle  Jndustrieund
  bei  der  fernern  Herabminderung  der  täglichen  Arbeitszeit  von
ächn  auf  neun  Stunden  aller  Widerstand  der  Manchesterschule
^schwand,  ja  daß  wir  denselben  Senior,  der  1837  den  Ruin  der
^ôlischeņ  Baumwoll-Jndustrie  als  Folge  des  Zehnstunden-Gesetzes  vor-^.äesagt
  hatte,  1863  auf  dem  Congreß  für  Social-Wissenschaften  zu
ìuburgh  die  Ausdehnung  desselben  auf  eine  Reihe  anderer  Jndustrieen
            
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