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wirken von Militär- und Zivilverwaltung nimmt
offenbar zu, die Ressortautonomie wird dadurch
unwillkürlich verringert. Alle Bemühungen zwischen
der Militärverwaltung und den Produzenten dauernde
Beziehungen herzustellen, gehören beispielsweise
hieher.
Die Armee interessiert sich begreiflicherweise
heute mehr als früher für Zivil-Angelegenheiten,
aber gleichzeitig sehen wir auch
eine Zunahme des Interesses für militärische Angelegenheiten
bei der Zivilbevölkerung. Zwar sind
auch deutliche antimilitärische Strömungen vorhanden,
aber es ist eine historisch mehrfach beobachtete
Tatsache, daß Bewegung und Gegenbewegung,
Religiosität und Atheismus usw. einander
gegenseitig ablösen. Es ist z. B. bemerkenswert,
daß das interessante Buch «Die neue Armee»,
worin das Milizsystem auf seine Anwendbarkeit
in Frankreich untersucht wird, von einem Sozialisten
stammt. Er opponiert, aber seine Opposition
legt Zeugnis davon ab, daß der Verfasser
sich eingehend mit militärischen Fragen beschäftigt
hat.
Heute nimmt jedenfalls unter den Politikern
aller Parteien die Lieberzeugung zu, daß man der
Beschäftigung mit militärischen Problemen nicht
aus dem Wege gehen kann. Kurzum, die Notwendigkeit,
im Kriegsfälle die gesamte Bevölkerung
Zusammenwirken zu lassen, dürfte dazu führen,
daß die Militär- und Zivilbevölkerung
sich ein immer größeres
Gebiet politischer und militärischer
Einsicht schafft, das Gemeingut
aller wird.
Wir sahen wie die Tendenzen, die auch im
Kriegsleistungsgesetz zum Ausdruck kommen,
dahin zielen, das öffentlich-rechtliche Verhältnis
in ernsten Zeiten immer häufiger an die Stelle
des privatrechtlichen treten zu lassen. Wir sahen,
daß es sich dabei um keine Zufälligkeiten handelt,
sondern um Veränderungen, die durchaus im
Geiste der Zeit gelegen sind. Die Betonung des
öffentlichen Interesses drängt aber von vornherein
die Wertschätzung der Geldwirtschaft zurück, da
diese im wesentlichen ein Produkt unorganisierter,
individualistischer Klassen und Zeitalter ist. Das
patriarchalische Verhältnis zwischen Bauer und
Knecht wurde durch die Geldordnung vielfach
auch dort aufgelöst oder zumindest gelockert, wo
eine entsprechende Veränderung der Produktion
gar nicht vorliegt. Die patriarchalischen Zustände,
die Bedeutung der öffentlichen Gewalten für Produktion
und Konsumtion, wie sie in früheren
Perioden schon vorkam, ist der Gegenwart vertrauter
als den eben verflossenen Epochen. Die
Gegenwart beginnt wieder die Zeit vor hundert
Jahren zu verstehen. Vater und Sohn sind eben
häufig einander fremder als Großväter und Enkel.
Die Bemühungen, den Staat als ein Ganzes aufzufassen,
sind vor hundert Jahren ähnlich lebendig
gewesen, wie heute. Damals hat ein hervorragender
Denker, Adam Müller, zu zeigen gesucht, daß
innerhalb der Geldordnung, die sozialere Zeichengeldorganisation,
welche die unsozialere Einrichtung
des vollwertigen Metallgeldes zurückzudrängen
bestimmt war, ein Produkt großer Kriege
war.*) «Wir erinnern uns aus der Geschichte eines
Zustandes von Europa, wo nur der bei weitem
kleinere Teil alles Verkehres der Menschen
untereinander mit barem Gelde betrieben wurde.
Ich möchte sagen: in allen Verhältnissen des
Lebens, wo die Menschen einander unmittelbar
berühren und erreichen konnten, da waren sie
einander ohne Dazwischenkunft des entfremdenden
Metallgeldes gewiß: nur für Relationen mit ganz
fremden Gegenden und Menschen waren die
spärlich vorhandenen Metalle notwendig. Man erlaube
mir zuförderst diesen Zustand der Dinge
natürlicher zu finden, als den späteren. Die
nächsten Verhältnisse des Lebens wurden behandelt
wie die entferntesten, weil die entferntesten
durch die Beweglichkeit und Allgemeingiltigkeit
der Metalle zu nahe gerückt wurden. Die notwendige
Folge war einerseits ein flaches weltbürgerliches
Interesse an der Menschheit im ganzen, d. h. inwiefern
diese empfänglich war für den Reiz der
edlen Metalle, und andererseits eine völlige Entfremdung
von den näheren, gründlicheren, vaterländischen
Angelegenheiten.» Und Müller weist
darauf hin, daßder Uebergangvon dermetallistischen
Geldordnung zum Papiergeld Kriege nötig hatte:
«Die Rückkehr der Menschen von dem Zustande
metallischer Erstarrung, in den durch lange Gewohnheit
zuletzt alle ihre gesellschaftlichen Verhältnisse
übergegangen waren, mußte mit ungeheueren
Revolutionen verknüpft sein. In langwierigen
Kriegen mußten die vernachläßigten
Heiligtümer der Menschheit, Recht, Sitte, Freiheit
wieder erworben werden. Diese Revolutionen und
Kriege mußten die Emanzipation von Amerika,
d. h. eine Unterbrechung der Metallflut von Westen
nach Osten herbeiführen.» Ohne eine Prophezeiung
wagen zu wollen, möchte ich noch darauf
hinweisen, daß manche Anzeichen dafür sprechen,
daß ein Weltkrieg die Geld- und Kreditordnung
in ihrer heutigen Form wohl wesentlich beeinflussen
dürfte, und zwar in der Richtung auf
die staatlich kontrollierte Großnaturalwirtschaft
hin. Ich werde bei mehr als einer Gelegenheit
darauf noch hinzuweisen haben.
IX. Sicherung des Realienbedarfes für den
Kriegsfall.
Bisher haben wir eigentlich nur die Organi'
sationsform als solche besprochen und zu zeiget 1
versucht, wie mit Hilfe der Geld- oder Naturalwirtschaft
die vorhandenen Realienbestände de f
Armee oder der Bevölkerung zur Verfügung g e '
stellt werden können. Nun müssen wir auch d ,e
Frage berühren, wie denn dafür Sorge getragen
werden kann, daß überhaupt die nötigen Realie 11
*) Adam Müller: Verm. Sehr. Band I., Nr. 4. VorU
Papiergelde, S. 59.