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lernen. Diese Erwägung veranlasste uns, in Cimarron einen
längeren Aufenthalt zu nehmen. Die sehr grosse Landstrecke
westlich vom loo. Breitengrade bis an das Felsengebirge ist
im Grossen und Ganzen ein Weideland, bis auf jene Thäler,
welche künstlich bewässert werden können. Auch diese werden
nur Gemüse und etwas Getreide für den Localbedarf und die
Minenbevölkerung des Gebirges, vielleicht auch etwas Wein,
Früchte und Zucker für diese, niemals aber Getreide für den
Export nach Europa liefern. Rindvieh, Schafe aber und
vielleicht Pferde dürften sie für lange Zeit steigend mehr
liefern, als jener Local- und Gebirgsbedarf erfordert. Aus dem
südlichen Theile dieses Landes, aus Texas und Kansas, wird
Schlachtvieh oder dessen Product höchst wahrscheinlich billiger,
als es bisher von New-York geschehen konnte, über die Golf
häfen nach Europa gelangen. Von Nebraska, Dakota, Wyo
ming und Montana wird schon Chicago grossetitheils versorgt
und wird es noch mehr werden, wie auch Kansas City.
Diese aber liefern schon seit langer Zeit derartige Pro-
ducte nach Europa. Wir haben also in dem Lande, westlich
vom loo. Meridian, die grosse Fleischvorrathskammer Europas
studirt. Hier ist ein Land mit einem ganz ausgeprägten,
besonderen Productionscharakter, der blos verschieden ist, je
nach der mehr südlichen oder mehr nördlichen Lage des in
Betracht kommenden Theiles. Den südlichsten Theil, Texas,
habe ich früher geschildert. Den mittleren Theil haben wir
vom 9. Juni ab, als wir in Garden City in Westkansas an-
kamen, circa einen Monat lang bereist.
Wir reisten von Garden City westlich bis Pueblo in Colo
rado, nördlich nach Denver, von da nach Leadville, südlich
nach Santa Fé in Neu-Mexico, kehrten dann eine Strecke nach
Nordosten bis Cimarron zurück, wo wir am 23. Juni ankamen.
Am folgenden Tage machten wir einen Ausflug in die grosse
Prairie von Cimarron, wobei wir nicht nur die Niederlassungen
der Mexicaner in einem künstlich bewässerten Thaïe, sondern
auch ein Reiten der Mexicaner sahen, welche einen in üie
Erde eingegrabenen Hahn, an dem sie im Galopp vorbei-
sprengen, aus dem Sattel zu ergreifen suchen. Nur einem