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Bovölkermigspolitik.
der wichtigsten Aufgaben der Bevölkerungspolitik, aber auch
eine der schwierigsten. Bis zu gewissem Grade ist hohe
Säuglingssterblichkeit eine natürliche Begleiterscheinung hoher
Geburtenziffern. Denn bei hoher Geburtenzahl kann auf das
einzelne Kind oft nur geringe Sorgfalt verwendet werden.
Diese Tatsache gewinnt aber bedenkliche Ausdehnung, wenn
beschränkte wirtschaftliche Verhältnisse es breiten Volksschichten
überhaupt unmöglich machen, auf das zu erwartende und
auf das geborene Kind die nötige Rücksicht zu nehmen. Man
ches läßt sich hier erreichen durch genügende wirtschaftliche
und gesundheitliche Fürsorge für Schwangere und Wöch
nerinnen, wie sie u. a. durch die neuere Arbeiterschutz- und
Krankenversicherungsgesetzgebung ermöglicht ist und durch ge
meindliche und gesellschaftliche Veranstaltungen eifrig ge
fördert wird. Der Erfolg aller solcher Maßnahmen und Be
mühungen hängt aber wesentlich davon ab, ob sich die wirt
schaftlichen Verhältnisse der breiten Volksschichten in auf
steigender Richtung bewegen. Hierzu bedarf es des Zu
sammenwirkens fast aller Zweige der Volkswirtschaftspolitik.
Die Selbstemeuemng der Bevölkerung füllt in regel-
mäßigen Zeiten niit einer Volkszunahme zusammen, da der
Zuwachs den Abgang meist übersteigt. Gleichwohl karrn zu
einer gegebenen Zeit die vorhandene Bevölkerung nicht im
richtigen Verhältnisse zu dem Bedarfe der Volkswirtschaft
an Arbeitskräften stehen. Die Bevölkerrnrgspolitik sucht dann
durch bestimmte Eingriffe ein besseres Verhältnis herzustellen.
Eirr Zurückbleiben der Volkszahl hinter dem Bedarfe der
Volkswirtschaft wurde narnentlich in der Zeit befürchtet, als
die Volkswirtschastspolitik von den Grurrdsätzen des „Merkan-
lilsystems" mit seirrer eifrigerr Förderung des gewerblicheir
Lebens beherrscht wurde. Das 16., 17. und 18. Jahrhundert
ist deshalb die Zeit, in der die Bevölkemngspolitik der euro
päische), Staaten ans möglichste Förderung der inneren Volks-