Antrag richtete sich nach zwei Seiten: er wollte die geringen
Muster stärker belasten als der erste, mit der Reduktion des
Minimallohnes aber die gute Waare entlasten und ihrer
Fabrikation Terrain gewinnen. Kaum wurde das Vorgehen
der Zentralleitnng bekannt, so erhob sich eine lebhafte Agitation
in den Sektionen der Arbeitnehmer für dasselbe. Am 27. Juli
zog die Kaufmannschaft den Antrag in Behandlung. Der
Vorsitzende derselben nahm sofort energisch Stellung für ihn.
Er betonte, das; es an der Zeit sei, nun einmal dem Arbeit
nehmer entgegenzukommen. Wenn die Kaufmannschaft ge
schlossen auftrete, könne sie die Vorlage ohne Schaden für
den einzelnen annehmen. Der zweite Referent bemerkte it. A. :
„Im März dieses Jahres haben Sie die Geschichte unter ben
Tisch gewischt, beseitiget haben Sie dieselbe nicht. Es ist wahr
gen«orden, was man Ihnen damals prophezeite, da gesagt
wurde: Nehmen Sie heute die Sache nicht an, werden Sie
später einen höheren Preis bezahlen müssen. Man verlangt
in der That jetzt mehr und wir können nicht widerstehen, weil
die Forderungen berechtiget sind. Es ist möglich, daß diese
Vorlage vielleicht allergeringster Waare den Garaus macht;
das ist aber kein Unglück." Noch traten verschiedene Redner-
für den Antrag ein und nur ein einziger bekämpfte denselben.
Dagegen wurde geltend gemacht, das; ein bezüglicher Beschluß
nur in Kraft treten sollte, meint Sachsen eine ähnliche Klassifi
kation einführe, da dieses sonst einen bedeutenden Vorsprung
erhielte, weil der Zuschlag gerade Artikel betreffe, in denen
die sächsische Stickerei ein starker Konkurrent sei. Unter dieser
letzteren Bedingung fand der Antrag des Zentralkomite fast
einstimmige Annahme; er besaß nun eine Achillesverse. Kaum
angenommen, wurde das System, welches dem Antrag zu
Grunde lag, heftig angegriffen, zugleich auch die beabsichtigte
Reduktion des Minimallohnes für gute Muster und die Klausel
wegen Sachsen. Eine Ende August in St. Gallen tagende
allgemeine Versammlung der Arbeitnehmer verwarf sowohl