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Wie wenig infolgedessen der Verein nach außen imponierte,
sollte Lindenau alsbald in Brüssel kennen lernen, wo er mit der
niederländischen Regierung Handelsbeziehungen anzuknüpfen ver
suchte aber nichts Greifbares zu bieten vermochte. In Berlin
aber sah man aus diese Neugründung mit berechtigtem Miß-
trauen, und als Lindenau im (Oktober (829 dort erschien, um
über den Verein mit Motz und Maaßen vertrauliche Rücksprache
zu nehmen und eine Annäherung des Vereins an Preußen vor
zubereiten, da versicherte ihm Motz mit streng werdendem Ausdrucke,
daß Preußen die Existenz des Vereins gar nicht anerkenne.
Der Mangel an positivem Inhalte veranlaßte das Königreich
Lachsen, noch am 29. September desselben Jahres 1828 mit den
Ernestinern, den beiden Reuß und Schwarzburg - Rudolstadt
einen engeren Verein zur Erleichterung des inneren Verkehrs ab
zuschließen. Dann wollte man auf einer weiteren Tagung des
Vereins am 11. Oktober 1829 auch in diesem einen engeren
Zusammenschluß fertig bringen, erreichte aber hierin gar nichts,
sondern beschloß nur eine Verlängerung des Vertrags bis Ende
des Jahres 1841.
Somit existierten in Deutschland nunmehr drei Vereinigungen,
von denen jede von sich behauptete, daß sie das Wohl der
Gesamtheit allein im Auge habe. Von dem mitteldeutschen
Verein ließ sich das freilich am Wenigsten behaupten; denn ihn
hatte kein positives Interesse ins Leben gerufen, sondern nur der
Paß gegen Preußen und der Wunsch, sich dessen wirtschaftlicher
Führung möglichst lange zu entziehen. Anders stand es mit den
beiden anderen Vereinen. Sowohl der preußisch-hessische wie der
württembergisch-bayrische Vertrag brachten den Teilnehmern greif
bare Vorteile und begründeten in ihrem Gebiete eine wohltätige
Handelsfreiheit: beide waren auch aus denselben natürlichen An
forderungen hervorgegangen und hatten sich darum nach fast den
selben Prinzipien ausgebaut, deren Erweiterung aus das übrige
Deutschland nur zu wünschen war.
Es lag der Gedanke nahe, daß diese beiden Zollvereine