Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

46

XXV  1.

veränderte  Bedeutung  gegeben  und  ihm  seine  Daseinsberechtigung ­
  geraubt.
Dafs  die  in  die  weit  ausgedehnten  Südstaaten  der  abgefallenen ­
  Union  geführten  Negerimporte  nicht  mehr  in  Englands ­
  Interesse  liegen  konnten,  lag  auf  der  Hand.  Somit  war
das  Gebiet,  auf  dem  England  nach  1783  noch  Sklavenarbeit
verwenden  konnte,  in  der  Hauptsache  auf  die  verhältnismäfsig
kleinen  westindischen  Inseln  beschränkt;  denn  die  englisch  gebliebenen ­
  nordamerikanischen  Besitzungen  in  Kanada,  Neuschottland ­
  und  Neufundland  kamen  für  den  Negerhandel  nicht
in  Betracht,  weil  hier  ebenso  wie  in  den  Nordstaaten  der
Union  aus  klimatischen  und  wirtschaftlichen  Gründen  besser
europäische  Einwanderer  die  Feldarbeit  verrichteten.  Ganz
Ostindien  schied  gleichfalls  aus,  weil  dort  eine  andere  Arbeitsverfassung, ­
  auf  freier  Lohnarbeit  beruhend,  vorherrschte,  und
andere  nennenswerte  Kolonien  besafs  England  damals  nicht.
Der  Einflufs  dieser  territorialen  Veränderungen  prägte
sich  mit  grofser  Deutlichkeit  in  der  Abnahme  der  Zahl  der
britischen  Sklavenschiffe  seit  1771  aus.  Es  segelten  aus
Grofsbritannien  nach  der  afrikanischen  Küste  (Rep.  1789,  IV,
Nr.  1)  :

Im  Jahre  1771  =  192  Schiffe
„  „  1772  =  175  „
„  „  1773  =  151  „
„  „  1774=  164  „

7)  M
M  ))
M  M
»  ft

1775  =  152
1776  =  101
1777  =  58
1778  =  41
1779  =  28

Im  Jahre
H  ft
V  M

1780  =  53  Schiffe
1781  =  77  „
1782  =  69  „
1783  =  130  „
1784  =  99  „
1785  =  116  „
1786  =  146  „
1787  =  137  „

Die  Schiffszahl  des  Jahres  1771  ist  später,  1798,  nur  noch
einmal  wieder  annähernd  erreicht  worden.
Noch  in  anderer  Beziehung  bedeutete  das  Jahr  1783  einen
Wendepunkt  für  die  Beurteilung  der  den  nichtbritischen
Kolonien  zugeführten  Sklavenimporte.  Bisher  hatte  jeder  englische ­
  Wirtschaftspolitiker  hierin  einen  nationalen  Gewinn  erblickt; ­
  denn  der  Handel  beschäftigte  eine  gewisse  Anzahl
Schiffe  und  Matrosen,  führte  dem  Mutterlande  für  die  verkauften ­
  Neger  eine  entsprechende  Menge  Edelmetall  zu  und
stärkte  dessen  „aktive  Handelsbilanz“.  Wennschon  die  eingeführten ­
  Sklaven  den  Produktionsertrag  der  ausländischen
Kolonien  erhöhten,  so  kam  infolge  der  geschilderten  nordamerikanisch-westindischen ­
  Handelsbeziehungen  ihr  wachsender
Wohlstand  den  Nordamerikanern  und  dadurch  schliefslich  auf
einem  Umwege  auch  Grofsbritannien  zu  gute,  da  jeder  ins
Ausland  verkaufte  Sklave  die  Ausfuhr  der  nordamerikanischen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.