Athen, Sparta. 55
gebildetes Privatrecht besaß, sei es unter Anwendung entsprechender
Drohungen.
Während so Athen sich als Handels- und Industriestaat entwickelte,
der zeitweilig sogar auf alle Landwirtschaft verzichtete,
blieb Sparta lange reiner Agrarstaat. Der demokratisch organisierten
Herrenklasse stand eine weit zahlreichere unterworfene Bevölkerung
gegenüber, Leibeigene, Heloten genannt, die unter scharfer
staatlicher Kontrolle das Land bestellen mußten (Aristoteles, Politik,
ed. Susem. II, 6,3), da man immer, besonders, wenn Feinde heranzogen,
Aufstände fürchtete. Das Verhältnis der Herrenklasse zu
den Heloten entsprach etwa jenem der Grundherren zu den Hörigen,
doch dürften die Heloten noch ungünstiger gestellt gewesen sein.
Neben diesen Ackersklaven gab es noch halbfreie Städte, die von
sogenannten Periöken bewohnt waren. Sie standen unter der Verwaltung
der Herrenklasse, nahmen an der Regierung in keiner
Weise teil, zahlten Abgaben und leisteten in gewissem Ausmaße
Kriegsdienste, wurden aber sonst in ihrem Treiben, sie beschäftigten
sich zum Teil mit Handel und Industrie, wenig gestört. Die Herrenklasse
war in alter Weise einheitlich militärisch organisiert, wobei
freilich manchen Forderungen der entwickelten Kriegführung Rechnung
getragen war. Diese Organisation erstreckte sich auch auf
das Lebeu im Frieden, so wurden die Mahlzeiten in bestimmten
Gruppen eingenommen und strenge Disziplin überall durchgeführt,
um die Schlagfertigkeit der Vorzeit zu erhalten, was auch durch
einige Jahrhunderte gelang. Der einzelne Vollbürger hatte zur
Bestreitung gewisser Ausgaben seiner Gruppe Beiträge zu leisten;
war er nicht mehr imstande, dieselben aus seinen Besitzungen
herauszuschlagen, so schied er aus der Gruppe der Vollberechtigten
aus. Die Herrenklasse schmolz immer mehr zusammen, u. a. infolge
der vielen Kriege, auch verarmten immer mehr Familien,
zum Teil durch Erbteilung, zum Teil gerade dadurch, daß immer
mehr Güter — vor allem durch Erbschaft — in einer Hand vereinigt
wurden (Aristoteles, Politik, Susem. II, 6,10). Dabei verabscheuten
die Spartaner im allgemeinen eine Regeneration durch
Aufnahme von Bürgern aus den halbfreien oder unfreien Bewohnern
oder durch Zuwanderung von Fremden. Die Furcht vor
den Reformen der neuen Zeit, vor der Industrie und dem Handel,
bewirkte, daß die Spartaner schließlich vielfach ohne Übergang mit
allen Neuerungen in Berührung traten und, wie es scheint, weit
stärker als jene Völker, die Schritt für Schritt sich dem modernen