Seedarlehn. Berufsehre.
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Athens loaren in unserer Periode nicht mehr allzu viele Leute ver
treten, die mit der Landwirtschaft in Beziehung standen, außer
etwa den großen Grundbesitzern. Den größten Teil der Bevölkerung
bildeten diejenigen, welche in einer vorwiegend arbeitsteiligen
Wirtschaft (Plato, Staat II, 11) Industrie und Handel betreiben.
Diese Bevölkerung war nicht von jenem hohen Geiste erfüllt, wie
man nach den gewaltigen und herrlichen Schöpfungen vermuten
könnte, die aus dem allgemeinen Säckel erbaut wurden. Die Be
haglichkeiten des Lebens lähmten vielfach das Entwicklungsstreben,
und es ist sehr wahrscheinlich, daß z. B. gegenwärtig das ernste
Streben der Arbeiterschaft nach Kulturgütern verbreiteter ist als
in der Bevölkerung Athens im 4. Jahrhundert trotz deren hoher
kulturellen Stufe. Dies führte dazu, daß in jener Zeit, da die
griechische Freiheit ihrem Ende sich näherte, die Opposition für
die große Masse der Bevölkerung nur Verachtung hatte (S. 57).
Die Empörung Platos über die Demokratie führte ihn dazu, einen
Jdealstaat zu konstruieren, in dem die Ungleichheit der Menschen
prinzipiell vorausgesetzt und die große Masse möglichst schlecht be
handelt wird. Während heute viele gegen eine Ausgleichung der
Güterverteilung eintreten, ohne anzugeben, nach welchem Prinzip
diese Ungleichheiten stattfinden sollen, hat Plato in seinem Staats
wesen alle Ungleichheiten prinzipiell zu begründen gesucht. Die
Möglichkeit einer Besserung der untern Volksschichten wurde von
vielen Forschern damals deshalb gar nicht in Erwägung gezogen,
weil sie der Ansicht waren, daß die Einwirkung der handwerks
mäßigen Arbeit, vor allem der sitzenden, den Körper zugrunde
richte (Theophrast, Haushaltungskunst 2) und den Menschen un
fähig zu Höherem mache. Deshalb wurden die Arbeiter, nicht
nur die Arbeit als solche verachtet. Überdies erschien es un
würdig, sich wie ein Arbeiter dem fremden Willen zu unterwerfen,
ob man dessen Ziele für vernünftig halte oder nicht. Daß die
Handwerker und Arbeiter durch Armut an einer höheren Aus
bildung gehindert wurden, gaben manche Autoren zu, betonten
aber, daß sie jedenfalls minderwertiger seien (Pseudo-Xenophon,
Verfassung der Athener l). Während so von vielen bedeutenden
Philosophen eine ganze Reihe von Tätigkeiten, deren Verbreitung
und wirtschaftliche Bedeutung unbestritten war, mit einem Makel
belegt wurde, gab es daneben eine Reihe von Beschäftigungen,
die eines Nicht-Banausen für würdig erachtet wurden, und von
denen ein Teil später unter dem Namen der sieben freien Künste